zuvor habe ich das Bild des alten Hindenburg so freundlich angeschaut! Ich weiß ja, hätte ein anderer den Ehrenplatz über dem Sofa
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Aber eigentlich brauche ich gar nicht fortzusehen, denn der Oberinspektor hat sich über den Hund gebeugt und streichelt ihm über den Kopf. Dann nimmt er eine Akte aus dem Regal: Vor wenigen Minuten ist die Nachricht gekommen, daß der andere norwegische Gefangene, der mit Frederik Ramm auf einer Zelle lag, Strafaussetzung bekommen hat."
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Er beugt sich noch einmal über Greif, klopft ihm auf den Rücken und spricht zu dem Tier, als ob er allein mit ihm wäre: ,, Siehst du, Greif, wir beide sind im Zuchthaus, aber manchmal können sogar wir uns freuen."
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Der Totenmonat ist noch nicht zu Ende. Die Tage sind grau und kurz, die Nächte dunkel. Gespenstisches Rieseln; die Blätter fallen. Sirenen heulen auf. Das fahle Licht der Scheinwerfer legt sich über den verhängten Himmel. Leises Surren von Motoren.
Die Schreibtischlampe brennt. Ist es schon Mitternacht? Zwei Briefstapel liegen vor mir. Der eine Stapel besteht aus braunen Kuverts, die jedes nur ein Blatt enthalten. Es sind die Briefe der Gefangenen. Der andere Stapel sieht bunter aus. Norwegische Briefmarken. Zeichen und Stempel auf Bütten, Karton, Seidenpapier oder herausgerissenen, zusammengeklebten Heftseiten.
Ein ganzes Volk schreibt an seine Söhne. Frauen schreiben an ihre Männer. Viel über sich selbst und die Kinder und nur wenig von ihm, der von ihnen weit fort ist. Manchmal friert mich, wenn ich ihre Briefe lese!
,, Gestern war Ingrid hier. Du kennst sie nicht, denn ich bin erst seit kurzem mit ihr befreundet. Sie hat bei mir zu Mittag gegessen, und hinterher sind wir ins Kino gegangen. Wir haben uns so gut unterhalten, wie lange nicht mehr. Übrigens sagt Ingrid auch, daß ich Berit schon jetzt zur Schule schicken soll. Ich werde sie morgen anmelden."
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Fremde Augen lesen ihre Briefe. Scheuen sie sich deshalb davor, das auszusprechen, was das Herz eigentlich sagen will? Oder ist es das langsam wirkende Gift der Trennung? Jede Erinnerung verblaẞt geliebteste, wenn die Nebel der Zeit darüberfließen. Ihr, die zurückgeblieben ist, fällt es schwerer, das Bild auch über Jahre des Getrenntseins hinaus festzuhalten. Ihr Leben geht weiter. Das Heim und die Kinder fordern sie. Sie trägt die Verantwortung, deren Bürde sonst geteilt war, allein.
Für ihn, der hinter den Mauern sitzt, ist es anders. Sein Leben steht still. Nur wenn eine Botschaft von draußen hereindringt, beginnt es sich mächtig zu rühren. Die Augen lesen Zeile um Zeile, aber das Herz sucht zwischen den Linien.
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