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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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Die Gestalten verschwimmen vor Björns Auge. Er nimmt nur das Lächeln einer Rote- Kreuz- Schwester wahr.

Dann ist die Tür wieder verschlossen. Frederiks Pritsche ist leer. Björn ist allein. Er hört Stimmen auf dem Hof, das muntere Bellen eines Hundes, das Klappen einer Autotür. Dann ein leises Rollen, das am Tor verklingt. Er sitzt auf der Pritsche und hustet, als müsse ihm Seele und Leib vergehen. Das Tuch, das er vor den Mund hält, färbt sich rot. ,, Der schafft es nicht mehr." Der Sanitäter lugt durch das Auge". ,, Hat ihn wohl etwas mitgenommen, daß er nicht mitfahren kann."

Es können Tage, vielleicht aber auch Wochen vergehen, bis für Björn eine Entscheidung fällt. Er liegt im Bett und sieht teilnahmslos vor sich hin. Das ,, Auge " sieht ihn und verspürt menschliches Rühren. Die Tür geht auf einen Spalt auf.

,, Vielleicht morgen!"

Björn aber glaubt nicht mehr an das Morgen, das ihm Grüne verkünden. Drei Tage später kommt ein Brief zu ihm in die Zelle. Lillemor hat ihn geschrieben, nur das Gekritzel am Rand ist nicht von ihr. Es sind etwas unbeholfene Buchstaben, so, als ob jemand seine Schrift ein wenig ver­stellt hat: ,, 1943 bringt Dir die Freiheit. Geduld, Björn! Ich weiß, Du wirst leben. Auf Wiedersehen in Norwegen ." Kein Name darunter, doch Björn errät auch so, wer es geschrieben hat.

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Viel ist gewonnen, als er sich wieder um halb elf ans Fenster stellt, denn wer wartet, der hofft. Und wer noch hofft, den hält das Leben fest.

An der dänischen Grenze hält ein Rote- Kreuz- Auto. Soldaten kommen herzu. Auf einer Krankenbahre liegt Frederik. Die Augen sind geschlossen. Am Kopfende sitzt auf dem Klappstuhl die Schwester in weißer Tracht. Ein Soldat beugt sich vor in den Wagen: ,, Tot? "

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Der dänische Arzt reicht ihm die Papiere. Er liest sie nur flüchtig und gibt sie dann weiter an einen Mann in Zivil. Der studiert sie genauer: ,, Frederik Ramm, Strafgefangener. Strafaussetzung wegen Tuberkulose -." Mit spitzen Fingern reicht er das Papier zurück: ,, Sagen Sie das doch gleich! Glauben Sie, ich will mir die Lungenpest holen?" Zu den Sol­daten sagt er: ,, Klarer Fall. Nichts Besonderes. Ab" Das Auto fährt weiter. Es ist Abend geworden. Einer von Skandinaviens Söhnen kehrt zurück. Wann werden die anderen folgen? Die Grenze liegt hinter ihnen. Sie sind auf dänischem Boden. Ein dänischer Zoll­beamter tritt an den Wagen, macht den Schlag auf und fragt flüsternd: ,, Frederik Ramm?"

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Die Schwester nickt. Er greift in die Tasche, entrollt eine norwegische Fahne und breitet sie über Frederiks Lager.

Das Auto rollt weiter, aber oft muß es halten. Wer hat es ihnen ge­sagt, die den Wagen mit Blumen füllen? Jenseits und diesseits der Mauer

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