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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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Wir sitzen gekrümmt. Wir sind wie gelähmt, sind ein einziges großes, entsetztes Horchen auf das erbarmungslose Rauschen da draußen. Dort muß etwas noch nie Erlebtes, in seiner Schwere Unfaßbares vor sich gehen. Rasendes Klopfen gegen die eiserne Tür. Besinnungsloses Schreien, ge­dämpft durch die dicke Wandung. Sie schreien

-

schreien.

Jemand tappt sich zur Tür. Der Riegel fliegt zurück. Die Tür reißt auf. Sie stürzen herein wie Besessene.

Der Bann ist gebrochen. Die steinernen Mauern hallen wider von Kinderweinen und Hilfeschreien der Frauen. Doch der Bunker ist nur halb­voll. Die brüllende Männerstimme hält den verwirrten Haufen mit ihrem ,, Ruhe, Ruhe!" in Schach.

Und wieder rauscht es rauscht es. Der Kopf ist geduckt,

Wie lange dauert es schon? Stunden, Minuten, Sekunden? Alles, was war und was sein wird, ist ausgelöscht. Wir hocken im Dunkel. Zer­berstend rollt das Unglück über die Erde.

--

In dieser Finsternis krümmt sich das Herz vor Alleinsein. Wird heute nacht die Welt eine mit Taubheit geschlagene Welt in Trümmer gelegt? Geht das Leben weiter, oder ist es zu Ende? Ich weiß nichts mehr. Wir sitzen im Dunkel und warten.

Da legt sich eine Hand auf meinen Arm. Es ist eine gute Hand, die Hand meiner Mutter. Ich hebe die Augen. Der Blick geht zur Wand. Das matte Licht der Leuchtstreifen erhellt die Schwärze der Nacht

Stille

befreiende Stille! Kein Sausen mehr in den Ohren. Kein Rauschen mehr draußen.

Die Verkrampfung löst sich. Viele Stimmen sprechen durcheinander. Neben mir weint es kläglich. Eine Taschenlampe blitzt auf. Im Bruchteil einer Sekunde nehme ich die junge Frau wahr, wie sie die auf dem Schoß sitzenden Kinder an sich preßt. Noch immer halte ich einen Brief in der Hand. Ein Streifen Licht fällt über die steile, kindliche Schrift: ,, Mach Dir keine Sorgen, Mama!"

Hellwach bin ich plötzlich. Die Besinnung kehrt zurück. Was ist ge­geschehen? Eine Landung? Ein Angriff? Unmöglich! Schon oft wurde Ham­ burg angegriffen. Doch das Surren der Kampfflugzeuge und die Einschläge der Bomben gingen unter in der donnernden Beschießung der Flak. Schein­werferlicht jagte über den Himmel und ruhte nicht eher, als bis es ein Flugzeug im Kegel hatte. Hinterher irgendwo am Himmel ein heller Schein. Einige Häuser brannten und fielen zusammen. Das war alles.

Eine Karbidlampe wird angezündet. Aus ihrem Helldunkel starren wäch­serne Gesichter.

Niemand hindert mich, als ich die Eisentür öffne und gehe. Die Wand der Gasschleuse gegenüber dem offenen Eingang schimmert rötlich. Noch zwei Schritte, und ich sehe! Geblendet weiche ich zurück. Der Himmel ist eine einzige Feuerlohe.

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