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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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Arne spricht wenig von sich, aber seine Worte zaubern in das staubige Besuchszimmer die Bilder von seinem Leben draußen, als er noch frei

war

Die braune Schreibtischplatte ist bedeckt von Papier . Neben dem Bild eine Seltenheit zu einer Frau stehen in einer Vase langstielige Rosen dieser frühen Jahreszeit.

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In der Hand hält Arne die glimmende Zigarette. Er wirft einen flüch­tigen Blick auf die Telegramme. Viele Worte. Alle sagen das gleiche: Glückwünsche zu seinem fünfundzwanzigsten Jubiläum als Schiffsreeder. Nur ein paar Telegramme liegen abseits. Die Sekretärin hat sie mög­lichst weit fortgelegt. Dieser Jubiläumstag soll ein Festtag sein!-Trotzdem hat Arne sie als erste gelesen. Die Schatten unter den Augen werden dabei noch tiefer. Diese Telegramme deuten auf Krieg. Noch sind es nur Gerüchte. Noch will Arne glauben, daß Norwegen der Friede bewahrt bleibt. Er sieht in die sorglos lächelnden Augen der Frau auf dem Bild. Er überfliegt flüchtig ein längeres Glückwunschtelegramm. Ein müder Zug um Arnes Mund verrät ein Leben der Arbeit.

Vor fünfundzwanzig Jahren gründete er eine eigene Reederei. Heute ist er im Vorstand der Schiffahrtsvereinigung. Er ist Direktor vieler Aus­schüsse, Ehrenmitglied von Komitees und Vereinen, Gründer von Stiftun­gen und Legaten. Er hat Orden und Ehrenzeichen. Er ist am Ziel!

Das Telephon schrillt. Arne zögert, den Hörer abzunehmen. Er starrt auf die weiße Asche der Zigarette. Er sieht den, bläulichen Ringen des Rauches nach. Erst sind sie Ellipsen; dann werden sie zu Kreisen. Er greift zum Hörer.

Die zaghafte Stimme der Sekretärin meldet: ,, Drei Uhr! In einer Stunde ist das Festessen."

,, Ja es ist gut. Ich werde gleich gehen."

Festessen, neue Telegramme. Endlose Reden und Blumen. Arne ist müde, unerklärlich müde. Warum nur? Hat er nicht das erreicht, was er wollte? Er hat aus dem Nichts für sich und andere Wohlstand geschaffen.

Durch das Doppelfenster dringt wie aus weiter Ferne das langgezogene Tuten der Schiffe. Norwegens Flotte ist auf allen Meeren zu Hause. Und darunter sind Arnes Schiffe. Jahr um Jahr hat er geplant, gebaut, er­neuert und verbessert. Reiche Jahre liegen vor ihm.

Die Zigarette glimmt. Bläuliche Ringe wandern durch das Zimmer und zerfließen im dämmernden Licht der verhängten Fenster.

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den alten

Arne stützt den Kopf in die Hände. Daß er gerade heute daran denkt! Lange Jahre hat er vergessen, was schon über vier Jahr­zehnte zurückliegt. Deutlich sieht er es wieder vor sich Bootsmann und das vor Feuchtigkeit glänzende Holz des Bootes. Welch draußen, als er noch eine Sehnsucht hatte er damals nach dem Leben als Schiffsjunge zur See fuhr.

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