sie auch nur verwandt sind mit solchen Persönlichkeiten. Oder sei es auf Grund einer Bekanntschaft mit Personen, die der Gestapo Verdacht erregen.
Wie lautet die Briefzensurbestimmung$ 21, Abschnitt 3a, für Briefe nach dem Ausland? Jeder Brief ist zurückzuhalten, dessen Inhalt dem Prüfer aus irgendeinem Grunde nicht paßt. Eine ähnliche Bestimmung scheint ausschlaggebend zu sein, daß man N. N.- Gefangener wird. Kinder, Greise und alte Frauen— Personen, die dem Regime in keiner Weise ge- fährlich werden können— verschwinden als N.N.-Gefangene, bringt die Gestapo sie in Verbindung mit ihnen lästigen Personen.
Unberechenbar und unergründlich ist das Vorgehen der Gestapo : Mancher N.N.-Gefangene wird nie erfahren, warum er jahrelang verborgen gehalten worden ist.
N.N.-Gefangene. Lebende Leichname! Flieger, Offiziere, Männer des
‚ öffentlichen Lebens verunglücken auf einer Dienstreise. Sie fallen aus dem
Flugzeug. Die Maschine hat Bruch. Oder hochgeachtete Männer des Dritten Reiches sterben„plötzlich und unerwartet“. Sondermeldung des Radios. Ehrenvoller Nachruf von Dr. Goebbels . Staatsbegräbnis in der “Wochenschau: Blumen, Lorbeerkränze, Fanfaren und Ehrenkompagnien— und ein Führerhändedruck für die schwarzverschleierte Frau.
Und die Wirklichkeit? N.N.-Gefangener! Die Gestapo hat den für tot Erklärten in sorgsamer Verwahrung.
N.N.-Gefangene dürfen weder Briefe schreiben noch erhalten. Sie haben Nummern statt Namen. N.N. ist von jeher die Umschreibung für einen Namenlosen gewesen.:
Wie nun einen N.N.-Gefangenen unterbringen, daß seine Isolierung von der Außenwelt nahezu vollkommen ist? In ein KZ? Diese großen Baracken- städte sind durch elektrisch geladenen Stacheldraht und durch tiefe Gräben hermetisch von der Umwelt abgeschlossen. Innerhalb dieser Städte aber können sich die Gefangenen frei bewegen, denn die Türen der Baracken haben Griffe und sind nicht verschlossen. Die Gefangenen können sich untereinander besuchen.
Es gibt nur eine Einrichtung, in der ein Mensch für immer unauffindbar verschwinden kann. So war es schon in d Revolution, und so ist es noch heute im Dritten Reich . Es ist die Zelle im Zuchthaus.
Die Mauern sind hoch, und die Zelle ist dreifach verriegelt. Der täg- liche Rundgang im Hof wird zeitlich so gelegt, daß sich N.N.-Gefangene
und Strafgefangene nicht treffen. Der Barbier, der jede Woche in die
Zelle zum Rasieren kommt, ist N.N.-Gefangener. Unter der vierzehntägigen Brause stehen nur. N.N.-Gefangene. N.N.-Gefangene arbeiten nicht im Außenkommando, sie werden in der Zelle beschäftigt. i
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