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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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Der Pfarrer faltet den Bogen zusammen. ,, Norwegen hat euch nicht ver­gessen", sagt er.

Wie machtlos ich mich fühle auf dieser Holzbank im Moor! Wir sitzen und schweigen. Jeder Gefangene hat sein eigenes Schicksal. Man hat ihn entwurzelt und in ein fremdes Land geschafft.

Doch sind nicht auch wir Entwurzelte? Die Gefangenen werden in ihre Heimat zurückkehren. Sie lieben sie. Sie leben für diesen Tag. Auch wir warten. Doch wie wird unser Land aussehen, wenn es endlich so weit ist? Ein Gefühl fast des Neides überkommt mich. Mehr noch, es wird schmerzliche Erkenntnis. Diese drei Gefangenen und ihr Pfarrer sind eine fest verbundene Einheit. Die Liebe, der Stolz auf ihr Land, knüpft sie, die noch gestern einander fremd waren, zusammen. Eine ohnmächtige Wut packt mich. Wo ist das Deutschland , das ich liebe? Es gehört der Ver­gangenheit vielleicht der Zukunft. Doch jetzt lebt die Gegenwart. Vor mir sind Hände, die in unserem Land zerbeult und zerrissen wurden!

Ein Blick auf den Grünen. Er geht auf und ab. Jetzt ist er vom Holz­schuppen halb verdeckt. Da greife ich in die Tasche und nehme mein Füll­halterętui heraus. Ich reiche es dem Pfarrer hinüber. Noch einmal greife ich in die Tasche und lasse dann die Hand langsam neben Holger auf die Bank gleiten. Ein Stückchen Schokolade liegt zwischen uns.

Der Pfarrer zieht derweil den Reißverschluß des Etuis auf. Die Hand wandert nach rechts und nach links. Drei rissige Hände schieben sich über den Mund. Sie lächeln.

Ein Stückchen Schokolade. Was bedeutet es schon? Ein kurzer süßer Geschmack ist im Mund? Ach, das ist vergänglich! Doch die Erinnerung an einen freundlichen Augenblick, in dem das Ungesagte erfühlt wird, bleibt. Holger sagt: ,, Diese Tage sind schwer. Doch wir wissen, warum es so sein muß."

,, Schreibe Karen, daß es mir gut geht", bittet Baard den Pfarrer. ,, Und was soll ich an deine Mutter schreiben?" sagt der Pfarrer zu Ole. Doch Ole antwortet nicht. Nur seine Augen fragen: ,, Wie lange noch?" Der Pfarrer schlägt das Testament auf. Der Grüne beobachtet es, stellt sich breitbeinig daneben und sieht mich an. Aber er sagt nichts.

Der Pfarrer spricht das Vaterunser. Er bittet: Und vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unseren Schuldigern."

,, In vier Monaten sehen wir uns wieder!"

Wir geben einander die Hand. Ole hält den Pfarrer zurück: ,, Sind es wirklich noch vier Monate? Sind wir nicht schon eher frei?"

Dann tritt er zu den Kameraden. Langsam gehen sie zurück zum Graben. Noch einmal wenden wir uns nach ihnen um. Sie sind aber schon weit fort, tief im Feld. Schwermütig wölbt sich der Himmel. Auf die Torf­wälle fallen dunkle Klumpen.

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