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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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er

sagt:Das Meer hat ihn zu sich genommen. Es nimmt sie alle.

Aber die Brandung donnert gegen die Felsen. Oline hört es und sie

Noch dunkler werden die Tage. Oline wartet, Ole kommt nicht zurück. Sie sagen, sein Boot sei zu weit hinausgefahren. Über die norwegische Grenze.

kat das Meer Grenzen?" fragt Oline.

Es ist Krieg, antworten sie ihr.

Öle wird wegen unerlaubten Verlassens norwegischen Gebietes zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt.

Oline wartet. Die Tage sind wieder hell geworden, aber kein Lächeln geht über ihr Gesicht. Sie geht zum Hafen der Insel und sieht nach den Booten. Sie fragt die Fischer:Wann kommt Ole zurück?" Doch die wissen keine Antwort. Er ist nicht auf dem Meer geblieben. Er ist weit fort. Die Brandung donnert, und die Möwen jagen und schreien um die Insel. Die Jungen klettern in die Felsen und suchen nach Möweneiern.

Da kommt eines Tages ein Brief von Ole. Oline zittert, als sie ihn in der Hand hält. Sie sieht lange darauf, bevor sie ihn öffnet. Zum erstenmal bekommt sie einen Brief. Er schreibt:Ich komme zurück zu Dir, Mutter. Sage Lars, daß er ein neues Boot für mich kauft.

Oline lächelt. Er kommt zurück! Sie geht zum Hafen.

Lars, er kommt! Du sollst für ihn ein neues Boot kaufen.

Und abends putzt sie die Lampe . Bald werden die Tage dunkel. Doch Oline wartet vergebens. Die Brandung schlägt grollend gegen die Felsen. Dichter Nebel liegt über der Insel. Unsichtbare Wesen gellen und schreien um die Felsen. Das tiefgrüne Moos wird dunkel.

Oline steht am Hafen. Der Nebel zerfließt in dünnen Regen. Das rote

Licht vorne am Kai leuchtet. Es riecht nach frischer Teerfarbe. Sie klopft

an das Fenster des Holzschuppens. Dort sitzt Lars, der Bootsmann, der für

* die Fischer die Boote verkauft und kauft und der ihre Zettel ausschreibt.

Der Holzschuppen ist sein Kontor. Lars, sagt Oline.Ich will einen Brief schreiben.

Lars nimmt die Pfeife aus dem Mund und legt sie beiseite. Er rückt die. Bank zurecht und wischt mit dem Taschentuch über den Tisch. Dann legt er einen weißen Bogen darauf. Er setzt sich neben Oline. Feierlich ist beiden zumute. Oline schreibt einen Brief.

Im Hafen sind die aufgeregten Wogen des Meeres gebrochen, äber von jenseits der Kaimauer tutet eine Schiffspfeife langgezogen und klagend.

Still ist es im Holzschuppen. Nur die Feder kratzt über das steife Papier

Lieber Sohn! Ole lauscht mit gefelteten Händen, und der Pfarrer liest weiter:Ich warte auf Dich. Lars sieht sich nach einem Boot für Dich um. Kommezurück zu Deiner lieben Mutter Oline.'