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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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Flüchtig blättert er in dem roten Schnellhefter. ,, Sehen Sie! Wie ich Ihnen schon sagte. Kein besonderer Vermerk von Dr. Schreck. Wie lange ist der Mensch schon hier? Über zwei Jahre? Na, also. Die Gefangenen stehen unter sorgfältigster ärztlicher Kontrolle. Schon bei der Einlieferung werden sie gründlich untersucht." Trocken fügt Fuchs hinzu: ,, Das ge­schieht schon um unserer eigenen Sicherheit willen."

Da Fuchs wohl zu bemerken glaubt, daß ich ihn nicht verstehe, erklärt er mir: ,, Meinen Sie etwa, wir wollen uns noch bei den Kerlen anstecken?" Fuchs klappt die Akte zu. ,, Der Mann ist gesund wie Sie und ich. Das heißt", hüstelnd unterbricht er sich und betrachtet seine weiße, kränk­liche Hand ,,, sagen wir lieber: Er ist gesund wie Sie. Denn ich bin seit vielen Jahren leidend. Trotzdem versehe ich noch meinen Dienst. Unser­eins arbeitet mit letzter Kraft. Und die Gefangenen meinen, sie können krank spielen. Ich will Ihnen aber sagen, was die beste Medizin für einen Gefangenen ist ein kleiner, netter Arrestaufenthalt im Keller!"

-

Doch noch gebe ich nicht auf! ,, Darf ich Ihnen wenigstens den Brief übersetzen?" frage ich.

,, Bitte, bitte! Wenn's Ihnen Spaß macht."

Erst hört Fuchs nur gelangweilt zu. Dann wiederholt er kopfschüttelnd: ,, Die Mauern bersten auseinander. Entfache die Glut!- Nein, wissen Sie! Der Kerl ist ja verrückt."

-

,, Eben das ist es!" Ich werde lebhaft. ,, Darum komme ich ja zu Ihnen. Lassen Sie ihn vom Arzt untersuchen. Er wird ihn haftunfähig schreiben."

,, Und dann soll er hübsch nach Hause fahren? Was?" Durch das offene Fenster zieht ein fauliger Geruch von Steckrüben. Ganze Schwaden drin­gen in die Amtsstube. Ein langer Zug von Essenträgern kommt vorbei. Die Kalfaktoren! Die Zipfel der schmutzigen Kittel sind hochgeschlagen und am Gürtel befestigt. Auf kahlgeschorenen Köpfen und speckigen Glatzen sitzen die weißen Mützen. Die Schultern schwanken unter der Last. Zu zweien tragen sie einen Kessel.

,, Wie es wieder einmal zieht!" sagt Fuchs und schließt das Fenster. Dann greifen die langen, weißen Finger nach dem Brief. ,, Nehmen Sie ihn. Übersetzen Sie ihn und schicken Sie ihn ein. Nach Hause kommt er aber nicht! Er soll es nicht besser haben als unsere deutschen Geisteskranken." ,, Dann würde er also in eine deutsche Heil- und Pflegeanstalt über­führt werden?"

,, Vorübergehend

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ja. Bis auf weiteres!" antwortet Fuchs ausweichend. Sein Lächeln dabei erscheint mir wie Grinsen.

Daß die deutschen Geisteskranken umgebracht werden, ist offenes Ge­heimnis. Fuchs weiß es ebensogut wie ich. Ich nehme den Brief vom Schreibtisch, stecke ihn fort und sage: ,, Vielleicht handelte es sich wirk­lich nur um einen Simulanten! Dr. Schreck hätte es sicher längst fest­gestellt, wenn er geisteskrank wäre"

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