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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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wir hungern. Gebt uns Wärme wir frieren. Wir sind krank! Habt ihr

Medikamente?

Wie können wir sie euch bringen in der dünnen Aktenmappe des Pfarrers und in meiner kleinen Handtasche? Der Weg zu euch ins Besuchs­zimmer führt vorbei am Pförtnerhaus. Hauptwachtmeister Rabbeler und sein Stab haben scharfe Augen.

Worte, Worte! Helft uns, gebt uns Brot!

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Ach, selbst wenn wir helfen könnten wäre unsere Hilfe nicht nur ein Tropfen im Meer?

Liest der Pfarrer meine Gedanken? Forschend sieht er mich an. Seine Stimme klingt freundlich, als er sagt: ,, Eine große Arbeit liegt vor uns." Ohne Mißtrauen fährt er fort: ,, Nur eins wird sie von uns fordern endliche Geduld!"

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,, Jaunendliche Geduld", wiederhole ich. ,, Und

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Zu Hause ist alles unverändert.

Als ich in unserem kleinen Garten sitze, glaube ich beinahe, der Be­such im Zuchthaus sei nur ein böser Traum. Doch vor mir auf dem weiß­gestrichenen Gartentisch liegt ein Stapel brauner Briefe Gefangenen­briefe. Ich lese, bis es dunkel wird und die Buchstaben vorm Auge tanzen. Es ist der erste milde Sommerabend.

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Ein Brief wird beiseitegelegt. Tarald hat ihn geschrieben: ,, Ich höre viele Stimmen. Warum hört Viggo sie nicht? Heute hast Du mich ge­rufen, Mutter! Bald kehre ich zurück. Gleich gibt es Suppe. Dann spricht Viggo mit dem Wachtmeister. Zur Ernte bin ich zu Hause. Ich werde die Gräben tieferziehen, damit das Wasser nicht das Korn ertränkt. Wir brau­chen das Korn, Mutter! Zünde im Backofen ein Feuer an. Entfache die Glut! Ihr roter Schein soll die Zelle erhellen. Sie wird die Eisengitter vorm Fenster schmelzen. Die Mauern bersten auseinander. Das Wasser steigt, Mutter. Wir warten auf Feuer und Brot!"

Undurchdringlich dunkel ist die Nacht. Noch immer sitze ich im Gar­ten. Tiefstill ist es jetzt. Doch dieser Friede ist eine Lüge. Die Wahrheit heißt: Krieg, Vernichtung, Hunger und Kälte.

Mitternacht. Ein langgezogener, heulender Ton. Alarm! Das klagende Heulen klingt wie der Aufschrei der leidenden Menschheit. Eine halbe Mi­nute geht die Sirene. In dieser Nacht scheint ihr Jammern eine Ewigkeit zu währen. Nacht für Nacht ist Alarm, doch kein Angriff erfolgt. Nur wenige Minuten ein leises, silbriges Surren: Aufklärer.

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Der Bunker ist kaum halbvoll. Neben mir auf der Holzbank sitzt eine junge Frau. Zwei Kinder hält sie auf dem Schoß fest an sich gedrückt. Mit dem Fuß stößt sie sacht den Wagen. Darin liegt ihr Jüngstes. Die Hand streicht über die schlafenden Kleinen. Die armen Kinder!" klagt sie, zu mir hingewandt. ,, Jede Nacht sitzen sie eingesperrt im Bunker."

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