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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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Aber Dr. Schreck ist noch nicht zu Ende. Wieder erhebt sich seine Stimme: ,, Der stirbt nicht? Das ist es doch gerade!" Einen Augenblick Stille. Dann tönt es herüber: ,, Er lebt. Es kann eine Schadenersatzklage geben. Wir hätten alles an Ort und Stelle zu Protokoll nehmen müssen!" Die Stimme ebbt ab. Es wird still sehr still.

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Ejvind liegt regungslos auf dem Boden. Er hört kein Schimpfen, und er spürt nicht die ungeduldigen Hände, die sich ihm jetzt nähern. Auch auf dem Gang hat sich die Spannung gelegt. Schadenersatz das war es also. Schadenersatz für einen Gefangenen? Gibt es das im Dritten Reich ? Ejvind ist im Zuchthaus, nicht im KZ. Das festgefügte Reglement des Strafvollzuges enthält auch einen Passus über Schadenersatz.

Es wird einen Prozeß geben. Invalidität wer soll die Entschädigung tragen? Die Firma, die das Zuchthaus beliefert und deren Wagen Ejvind überfahren hat? Oder das Reich, in dessen Auftrag Ejvind als Zuchthaus­gefangener arbeitet?

Das gibt einen Papierkrieg. Ejvind ist immer noch regungslos. Aber er lebt. Wütend setzt Dr. Schreck die Brille ab, putzt sie und sieht durch die Gläser. Ein kurzer Blick auf Ejvind, dann sagt er zu dem Grünen: ,, Fahren Sie ihn in die Kiefernklinik."

Ärgerlich geht er zum Schreibtisch. Er öffnet das Seitenfach und nimmt einen Überweisungsschein heraus. Während er ihn abstempelt, murmelt er: ,, Diese ewige Schreiberei!" Er sieht auf. ,, Stehen Sie noch immer hier?" fährt er den Wachtmeister an. ,, Machen Sie, daß Sie hinauskommen!"

Als der Grüne die Tür öffnet, bemerkt Dr. Schreck die lange Reihe von Krankmeldungen. Da ruft er: ,, Sie! Kommen Sie noch einmal zurück!" Eilfertig dreht sich der Wachtmeister um. ,, Schicken Sie die Krankmeldun­gen dorthin, wo sie hergekommen sind. Heute fällt die Sprechstunde aus. Keine Zeit!"

Etwas ruhiger geworden, weist er auf Ejvind und fragt den Sanitäter: ,, Deutscher?"

,, Nein, Norweger , Herr Doktor."

Während Dr. Schreck den Überweisungsschein faltet, brummt er vor sich hin: ,, Diese verfluchten Ausländer!"

Wie blau das Meer ist! Wo das Meer aufhört, da ist das Blau des Himmels.

Ejvind steht neben Randi. Ein weißes Kleid hat sie an. Jetzt bindet sie das rote Kopftüchlein los und läßt den hellen Haarschopf im Winde flattern.

,, Es wird Sommer, Ejvind!"

Ejvind nimmt Randis Hand und zeigt weit über den Fjord: ,, Siehst du

das Segelboot dort?"

,, Ich wollt', es wär' unser!"

,, Du bekommst ein viel schöneres. Nur noch ein wenig Geduld!"

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