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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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Haupt­des Wartezimmers, wo der Pfarrer zurückgeblieben ist. ,, Er" wachtmeister Rabbeler sieht mich bedeutungsvoll an ,,, soll es nicht hören." Wir sind allein. Trotzdem senkt Rabbeler die Stimme, als er sagt: seien ,, Lassen Sie sie nur das Notwendigste sprechen. Und vor allem Sie freundlich zu ihnen. So können sie am meisten aus ihnen herausbe­" kommen und

,, Meine Anweisungen erhalte ich vom Chef!"

Rabbeler lenkt ein. ,, Haben Sie eine Uhr? Oder soll ich Ihnen Bescheid sagen, wenn die Viertelstunde herum ist?"

,, Auch das ist nicht notwendig. Der Chef überläßt es mir, die Besuche zu beenden, wenn ich es für richtig halte."

,, Aber die Verfügungen einmal.

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,, Stehen im Wartezimmer an der Wand, ich weiß", winke ich ab. Ich gebe ihm den Zettel mit den Namen. ,, Lassen Sie immer zwei Gefangene zur Zeit holen!"

Hauptwachtmeister Rabbeler hält die Hand ans Ohr, als habe er nicht richtig verstanden: ,, Wie bitte? Sie glauben wohl, wir wären nur für Ich stelle Ihnen die Kerle auf

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die Gefangenen da. Heute ist Sonntag. den Gang. Dann können Sie sie sich nacheinander hereinholen. Nach dem Besuch stellen Sie sie wieder dorthin. Ich lasse sie dann heute abend abholen."

Das bedeutet stundenlanges Stehen. Aber Rabbeler meint: ,, Umfallen? Bei uns hat jeder so lange zu stehen, wie wir es für richtig halten."

Er ruft einen Oberwachtmeister heran, gibt ihm mit königlicher Miene den Zettel und sagt: ,, Du, Heinrich, lang mir die mal eben raus!" Dann zieht er sich gähnend zurück.

Ich bleibe auf dem Gang stehen. Es ist Totenstille. Gespannt sehe ich zur Tür am Ende des Ganges. Es ist doch das erstemal! Werden die Ge­fangenen mir gegenüber mißtrauisch sein? Wie kann ich ihr Vertrauen gewinnen? Durch Freundlichkeit? Sie werden sie nur als eine der ihnen zur Genüge bekannten Gestapo methoden werten. Angst überflutet mich, Angst vor der eigenen Unternehmung, Angst vor dem Mißtrauen der Ge­fangenen. Angst vor der Gestapo . Wieder sehe ich die gesperrt ge­druckten deutschen Buchstaben vor mir. Verfügungen, Verfügungen! Wann wird es bemerkt werden, daß ich die Verfügungen nicht einhalte? Und wie könnte ich sie einhalten, wenn ich den Gefangenen Hilfe bringen will?

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Ich warte noch auf dem Gang. Ich wende mich um. Ich sehe zurück zum Eingang. Noch kann ich fort, noch ist Zeit, diese Arbeit nieder­zulegen.

Da höre ich, wie eine Tür aufgeschlossen wird. Eine fluchende Beamten­stimme, Holzpantinengeklapper. Durch das vergitterte Glas der Eingangs­tür schimmert ein Eckchen des zartblauen Frühlingshimmels. Ich drehe mich um und gehe den Gefangenen entgegen.

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