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„Gehen Sie ins Wartezimmer“, sagt der Wachtmeister.„Ich werde An- weisung geben, daß das Besuchszimmer aufgeschlossen wird.“
Wir setzen uns auf eine Holzbank, das einzige Inventar dieses Zimmers.
‚ Wie viele haben wohl schon auf dieser Holzbank gesessen, das Herz
voller Hoffnung auf ein kurzes Wiedersehen. Aber der Wachtmeister.
weiß es besser:„Die Hoffnung bleibt draußen.”— Die Luft ist dumpfig
im Raum. Sind es die geschlossenen Fenster, oder ist es die Atmosphäre
der grauen Schwere? Mir wird beklommen zu Mute. Unwillkürlich senke ich die Stimme, als ich den Pfarrer frage:„Für wen haben Sie einen Be- „such beantragt?”
Er gibt mir einen Zettel mit einigen Namen.„Wie seltsam!” sage ich zum Pfarrer.„Ich hatte mir vorgenommen, Sie nach Frederik Ramm zu fragen. Und da.lese ich auch schon seinen Namen auf dieser Liste.“
Der Pfarrer lächelt.„Jeder einzelne Name auf dem Zettel hat seine besondere Geschichte.” i
„Kennen Sie denn die Gefangenen bereits?‘
„Nein, nur die wenigsten. Trotzdem weiß ich viel von ihnen. Zwar berichten die Zeitungen nichts, aber——— wir in Norwegen wissen doch älle um sie!“
In Gedanken sehe ich wieder Briefe vor mir, die immer die gleiche’ Unterschrift tragen:„Dein glücklicher, freier und dankbarer Frederik“.
„Sagen Sie mir— wer ist Frederik Ramm?"
Die Tür öffnet sich. Die Unterhaltung bricht ab. Ein Grüner kommt her- ein. Er spricht mit schnarrender Stimme, als mache er eine Meldung:„Sie müssen noch warten. each Rabbeler will Sie sprechen. In einigen Minuten kommt er.’
Wir warten jetzt schweigend. Ich sehe mich im Zimmer um. An der
Wand hängt ein Führerbild, gegenüber ein Bild von Himmler. Daneben
Plakate, gesperrt gedruckte deutsche Buchstaben, Vorschriften über ‚das Verhalten bei Gefangenenbesuchen: ö
Kinder unter sechzehn Jahren haben keine Besuchserlaubnis.— Das Zustecken von Lebensmitteln’ oder Rauchwaren ist strengstens untersagt.— Körperliche Berührung mit dem Sträfgefangenen hat nicht stattzufinden.— Die Besuche werden nach einer Viertelstunde von dem aufsichtsführenden Beamten abgebrochen.— Die Unterhaltung hat sich nur auf Familien- angelegenheiten und das spätere-Fortkommen des Gefangenen zu be- ziehen.— Jede Übertretung der Vorschriften hat sofortigen Abbruch des Besuches und evtl. Bestrafung zur Folge.
Verfügungen, Verfügungen!
Wieder öffnet sich die Tür. Das erste, was ich sehe, sind ein Schnauz- bart und mächtige Schultern, auf den Achselklappen zwei Sterne. Haupt- wachtmeister Rabbeler winkt mich hinaus;„Auf einen Augenblick, bitte. Kommen Sie‘ in das Geschäftszimmer.” Der Schnauzbart wippt in Richtung
3 Halt Wacht im Dunkel 33
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