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Frederik Ramm. Strafzeit: Lebenslänglich. Straftat: Verbrechen gegen V.O. So die Liste. Es ist nichts Ungewöhnliches. Wohl aber, daß ein ,, Volksschädling" jeden seiner Briefe unterzeichnet mit: ,, Dein glücklicher, freier und dankbarer Frederik".
Solche Worte in einem Gefangenenbrief sind erstaunlich. Welch ein Mann muß dieser ,, Volksschädling" sein?
Ich lese die Briefe genau. Nicht, um die von mir erwarteten Spitzeldienste zu versehen! Wenig weiß ich darüber, wie sich das Leben eines Zuchthausgefangenen abspielt. Doch bald schon kenne ich die Wirkung, die dies Leben hinter den Mauern auf die Gefangenen übt.
,, Was soll ich Dir schreiben? Wir warten
lese ich diese Worte in Gefangenenbriefen.
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warten
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Wie oft
Wie kann ich ihnen helfen? Dafür sorgen, daß die Briefe nicht vorzeitig dem alten Wachtmeister in die Hände fallen? Gelegentlich einen Brief als Geschäftsbrief bezeichnen, damit er auch außerhalb des Termins ausgehändigt wird?
Ach, das sind alles nur Tropfen!
Gewiß, meine Freunde brauchen nicht mehr zu befürchten, daß sie oder ihre Angehörigen bei der Gestapo auffallen.
Doch wie kann ich ihnen spürbare Hilfe bringen? Die Zuchthausmauer scheint unüberwindlich zu sein.
Da geschieht das Unmögliche, das nie Erwartete.
Wieder sitze ich in einem Amtszimmer. Der Chef des Zuchthauses sagt: ,, Der norwegische Seemannspfarrer, der in Hamburg die Belange der norwegischen Seemannsmission vertritt, hat beantragt, die hier einsitzenden Gefangenen seines Landes zu besuchen. Das Justizministerium trägt keine Bedenken, falls die Anstalt in der Lage ist, die Überwachung scharf genug durchzuführen."
Der Atem stockt mir vor Freude! Ich werde die Gefangenen sehen. Hunderte von Möglichkeiten, ihnen zu helfen, tauchen vor mir auf. Aber Vorsicht! Keine Miene verziehen!
,, Dürfen die Gefangenen denn Besuch bekommen?"
,, Alle vier Monate."
,, Auch von einem Pfarrer?" Ich versuche, der Stimme einen mißbilligenden Tonfall zu geben.
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Pfaffen ge
Der Chef sieht mich wohlwollend an. ,, Sie haben ganz recht, so zu fragen. Sie scheinen der gleichen Meinung zu sein wie ich hören nicht in die Anstalt." Und beinahe entschuldigend fügt er hinzu: ,, Das Justizministerium hat dazu auch nur Genehmigung erteilt, weil die Angehörigen der Skandinavier keine Möglichkeit haben zum Besuch. Der Pfarrer ist also nur als ihr Vertreter zugelassen. Seelsorge ist ihm strengstens untersagt." Der Chef unterbricht sich und fragt: ,, Übrigens
Sie ihn?"
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kennen


