.
"
mir viel Freude gemacht." Er blättert in seinem Heft. ,, Sie brauchen ja nicht nur Notizen von verdächtigen Gefangenen zu machen. Sie könnten zum Beispiel hinten im Heft und er nimmt zwischen die dünnen Finger mit den etwas zu langen Fingernägeln einige Blätter, unterbricht sich umständlich und sagt:' ,, Sehen Sie, soviel Platz etwa dafür!"
,, Also in diesem Heft," nimmt der Amtsrichter den Faden wieder auf, ,, würden Sie die letzten Seiten dazu benutzen, um die Stellen aus Gefangenenbriefen abzuschreiben, wo sich die Gefangenen lobend über den deutschen Strafvollzug äußern. Sozusagen", ein mildes Lächeln ,,, die Anlage zu einem Weißbuch! Sie wissen selbst im Ausland gehen viele Gerüchte
-
-
-
Der Amtsrichter erwärmt sich am eigenen Vorschlag: Wirklich! Das wäre noch eine Aufgabe, um die es sich lohnte! Neben der Hauptaufgabe natürlich!" Ein schneller Blick hinüber zum Zuchthauschef.
-
,, Im übrigen", redet mir der Amtsrichter zu ,,, haben Sie eine interessante Lektüre. Nicht nur politisch! Sie bekommen Einblick in alle menschlichen Dinge!" Er rollt das Heft zusammen. ,, Ich rate Ihnen, anzunehmen. Sie werden bestimmt auf Ihre Kosten kommen, nicht wahr, Herr Regierungsrat?" ,, Auf die Kosten kommen?" Der Chef hat nur gelangweilt zugehört. Jetzt wird er lebhaft: ,, Das sollte ich meinen. Ein einträgliches Geschäft. Und das Reich wird nicht einmal ärmer dabei. Jeder Gefangene muß die Zensur seiner Briefe selbst bezahlen.".
,, Wieviel verdient der Gefangene?"
-
,, Pro Tag zehn Pfennig, wenn's hoch kommt, fünfzehn. Dann muß er aber sehr fleißig sein. Für einen Brief bekommen Sie pro Seite fünfzehn Pfennig. Der Gefangene zahlt's Ihnen gern!" Er lacht, zufrieden mit der eigenen Witzigkeit.
,, Ich kann es nicht übernehmen!" Ehe ich mich noch besinne, füge ich hinzu: ,, Es ist Blutgeld!"
,, Was soll das heißen?" fragt der Regierungsrat scharf. ,, Ich rate Ihnen, sich Ihre Worte etwas mehr zu überlegen."
Der Amtsrichter gähnt, und da er anscheinend wünscht, daß die Unterredung zum Abschluß kommt, mischt er sich wieder vermittelnd ein: ,, Sie sehen es verkehrt. Denken Sie lieber daran, daß Sie mit dieser Aufgabe Ihrem Vaterland und der gemeinsamen Sache dienen."
Ich sehe an ihm vorbei zum halbgeöffneten Fenster. Der Blick wandert über den Himmel, der grauverhängt ist von Wolken. Doch an einer Stelle teilen sie sich ein Stückchen Blau schimmert hervor..
Liegt bei mir noch die Entscheidung? Haben Herz und Sinn sich nicht schon seit langem für diese Aufgabe vorbereitet?
Nervös trommelt die Hand des Regierungsrats auf dem Schreibtisch: ,, Also? Wozu haben Sie sich entschlossen?"
-
,, Ich übernehme die Arbeit
-
unter einer Bedingung: Sie müssen mir gestatten, selbständig zu arbeiten. Es muß allein mir überlassen sein, die
21


