dung kam. Dann war sie eines Tages gekommen und hatte sich verabschiedet. Ich erinnere mich noch unseres letzten Gespräches. ,, Ich bin versetzt nach.."; den Namen des Gefängnisses hatte ich nicht verstanden. ,, Warum?"
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,, Es ist keine Strafversetzung," antwortete sie ,,, aber ich bin eben für den heutigen Strafvollzug nicht geeignet. Ich tauge nicht zur Bespitzelung von politischen Gefangenen--"
Eine solche Spitzelarbeit soll ich jetzt übernehmen? Ohne zu zögern, lehne ich ab.
Zwei Tage später bekomme ich eine Vorladung zu einer Rücksprache.- In einem hohen, düsteren Zimmer des Altonaer Amtsgerichts sitze ich in einem der gradlehnigen Gerichtsstühle. Gegenüber am Schreibtisch ein Amtsrichter. Neben mir der Chef des Zuchthauses Hamburg- Fuhlsbüttel. Ein gebürtiger Bayer: Stiernacken und hervorspringende Augen!
,, Warum lehnen Sie ab? Sie haben doch schon früher Briefe zensiert? Wir suchen jemand, der die Gefangenen auf das schärfste überwacht. Sie sind mir empfohlen worden."
Wer kann mich empfohlen haben? Ich bin nicht Parteigenossin oder Mitglied irgendeiner anderen braunen Gliederung.
Warum beauftragen sie nicht einen Beamten der Gestapo ? Doch ich hüte mich, Fragen zu stellen., Erst viel später erfahre ich, daß Justiz und Gestapo zwei ganz verschiedene Organe sind und daß die Justiz ebensosehr bemüht ist, der Gestapo Einblick in ihr ,, Innenleben" zu verwehren, wie jede andere Seele im Dritten Reich.
,, Es handelt sich um etwa dreihundert dänische und norwegische Strafgefangene", sagt der Chef. ,, Es kommen aber täglich neue hinzu." ,, Sind es Kriminelle?"
,, O, bewahre!" Der Chef lacht gemütlich. ,, Glauben Sie, daß wir uns um solche Leute soviel Arbeit machen würden? Nein, viel schlimmer! Es sind politische Gefangene, die von deutschen Kriegsgerichten in Norwegen abgeurteilt worden sind und nun in Deutschland die Strafe verbüßen müssen.
,, Und welche Arbeit erwarten Sie von mir, Herr Regierungsrat?"
,, Sie lesen die Briefe, und fällt Ihnen etwas Verdächtiges auf, zeigen Sie
es uns an."
,, Am besten legen Sie sich ein Heft an, in dem Sie sich über Gefangene, die Ihnen verdächtig erscheinen, Notizen machen," schlägt der Amtsrichter vor, während er umständlich aus dem Schreibtisch ein Heft nimmt, um mir Format und Größe zu zeigen.
,, Mit anderen Worten eine Spitzelarbeit?"
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,, Nun, wie Sie's nennen wollen," antwortet der Chef mit Strenge. ,, Sie tun damit, wie wir alle, nur Ihre Pflicht."
Der Amtsrichter wirft einen Blick auf die Uhr. Schon zwei. ,, Bis jetzt habe ich diese Briefe zensiert," beginnt er in vermittelndem Ton. ,, Es hat
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