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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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ich die Augen schloß und meinen Kopf in die Hände stützte, sah ich vor den geschlossenen Lidern Flammen tanzen, ich sah meine alte Großmutter zu Grabe tragen, und ich sah über allem das fröhliche Gesicht meiner lieben Mutter leuchten.

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Besinnung

Die Jahre der Tyrannei liegen hinter mir. Hinter mir liegen alle die Nächte und die Tage des Quälens, der ununterbrochenen Greuel und aller Schänd­lichkeiten, die sich ein Menschenhirn nur ausdenken kann. Wir haben in die­sen Jahren nicht eine Minute dazu verwenden können, eine stille Besinnung zu halten. Wie oft und wie gern hätten wir mit unseren Gedanken bei un­seren Eltern, bei den Geschwistern und Bekannten verweilt. Immer war unser Leben gefährdet, immer mußten wir daran denken: Mund zu und Augen auf", damit wir über alles gut hinwegkommen konnten. In Stille, abseits vom lauten Leben, sitze ich jetzt allein für mich und denke an die Jahre des Elends zurück. Jetzt erst bin ich ganz erschüttert über das, was Menschen an Menschen verübten. Tiefer Schmerz erfaßt mich, wenn ich daran denke, an jene Minute, wo man mir meine liebe gute Mutter entriß. Sie war stets mein höchstes Glück. Ihre Liebe hatte mich begleitet, wohin ich auch ging, und wo ich auch war. Und alles mußte ihr und uns nur geschehen, weil wir Juden waren. Deswegen schickte man auch meine liebe Mutter in die Gaskammer von Auschwitz .

Es sind schwere Gedanken, die nur solche Menschen vollkommen ver­stehen werden, die schwere Kriegsopfer gebracht haben, die ihre Väter, Söhne, Kinder verloren und alles Hab und Gut dazu. Nur solche Menschen können den Schmerz ermessen, den man empfindet, wenn man Rückschau hält, was hätte sein können und was jetzt ist. Was haben wir getan, um ein solches Schicksal aufgebürdet zu erhalten? Welche Macht ist so grausam, die Menschen zum teuflischsten aller Werke zu zwingen und zu benutzen?

Gehört nicht zum teuflischsten aller Satanswerke auch der Krieg? Sind nicht außer den vielen unschuldigen Opfern, die durch den Naziterror ver­nichtet wurden, auch Millionen von Menschen diesem Satanswerke zum Opfer gefallen? Sind nicht Mütter von ihren Kindern gerissen? Haben nicht Bomben Vater und Mutter getrennt? Irrten nicht unzählige Kinder elternlos auf den Landstraßen umher? Waren nicht Unzählige hangend und bangend dem Un­gewissen überantwortet? Nie aber auch dürfen die vergessen werden, die als Versuchstiere" galten und unter viehischsten Qualen zu Tode gemartert wurden. Alles was hinter uns liegt, es waren bis aufs Feinste ausgearbeitete Methoden und Pläne der sadistischen Nazis. Männer und Frauen waren Schü­ler und Schülerinnen des gefährlichsten Sadisten auf lange Zeit hinaus. Män­ner und Frauen waren theoretisch ausgebildet in den Ordensburgen der Nazis, um später ihre Kenntnisse praktisch in den Konzentrationslagern zu verwerten.

Es ist zum Glück alles anders gekommen, als es sich die Barbaren erträumt haben. Wir hätten auch den Glauben an jede Schicksalsführung verlieren müssen, wenn ein solches Regime für längere Zeit bestanden hätte, wenn sich gegen eine solche Gewaltregierung nicht die ganze Welt erhoben hätte. Der Krieg ist zu Ende. Wir sind wieder zur Besinnung gekommen. Wir müssen aufbauen. Wir müssen uns ein neues Leben gestalten. Alles, was gut in uns verblieben ist, muß wieder wuchern. Die Liebe zu unserem Volke und

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