SS.- Hauptsturmführer Pfister spricht
Die Spitzen der alliierten Armeen hatten die Grenzen von Thüringen erreicht. Im Lager wurde es unruhig. Aber nicht nur die Häftlinge waren von einer nicht zu beschreibenden Unruhe erfaßt,--- nein, auch die gesamte SS. --- Vom Kommandanten herab bis zur vertiertesten Wachtmannsbestie,- und vom Wachtmann herauf bis zum" Ungeheuer" Kommandanten. Alles befand sich in gedrückter Stimmung. Teils dieserhalb,-- teils dessentwegen.
Es war, als ob schwere Gewitterwolken vor einer Entladung stünden. Die Stimmung hatte den Siedepunkt erreicht, als der Lagerführer sämtliche Reichsdeutschen in die Kinohalle bestellte. Kaum waren die reichsdeutschen Häftlinge versammelt, da erschien auch schon der Bandit von Buchenwald, der kleine dicke und rotbackige Lagerführer und Massenmörder Pfister. Was noch niemals vorgekommen war, jetzt geschah es. Pfister richtete persönliche Worte an die reichsdeutschen Häftlinge. Bisher hatte er nur vom sicheren Ort aus Befehle erteilt, die alsdann die unterstellten vertierten Bestien ausführen ließen.
" Häftlinge!"
,, Der Feind steht vor den Toren unseres Gaues Thüringen . Unaufhaltsam dringt er vor. Ich weiß, daß in der ganzen Welt viel Kritik über das mir unterstellte Lager geübt worden ist. Ich will nicht zulassen, daß noch weiteres Unheil angerichtet wird. Aus diesem Grunde habe ich mich entschlossen, das Lager Buchenwald nicht zu evakuieren. Ich werde hier bleiben, bis der Feind kommt, und dann werde ich dem Feind das Lager persönlich" übergeben. Wenn mir Ihre Lagerältesten die Garantie geben, das Lager bis zum Eintreffen des Feindes in Ruhe und Ordnung halten zu können, dann werde ich meine SS. abrücken lassen und dem Lager Lebensmittel übergeben, die für 10 Tage ausreichen".
Die Lagerältesten erklärten sofort und voller Freude, daß sie die volle Verantwortung übernähmen. Sie baten, ihnen die Aufstellung eines besonderen Korps zu genehmigen, mit welchem sie Ordnung halten könnten. Der Bergungstrupp" wurde genehmigt.
Die letzten Worte waren gesprochen. Sie klangen noch lange nach. Der Lagerführer verließ die Halle. Und die Häftlinge gingen wieder an ihre Arbeit.
Die Stimmung war umgeschlagen. Alles Düstere war verschwunden, alles Drückende war von uns abgefallen. Wo eben noch Schatten oder Dunkel herrschte, war jetzt hellster Sonnenschein. Die Luft war leicht und milde. Alles erschien uns rosenrot. Unsere Augen leuchteten. Wir lachten uns an. ,, Freiheit,--- frei sein,--- frei sein!"
Am nächsten Tage schon hatte sich vieles im Lager geändert. Unaufhörlich, Zug um Zug,-- trafen Häftlingstransporte aus den Zweiglagern Buchenwalds ein. Abgemagert, zerfetzt,--- trafen sie bei uns ein. Neugierig fragten wir sie und sie uns. Auch bei den Neuankömmlingen herrschte der zuversichtliche Glaube, nur noch einige Tage,--- 10, 8, 6,-- 5,-- und alles sei vorbei. Ueberall Freude über das Vordringen der alli
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