Druckschrift 
Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
Seite
109
Einzelbild herunterladen

dun­. Off

, die eine wie­

traf f der

" Was

e uns

Lange teils

s den

- Ein­

n der

, daf war! n. Es

er,- adezu dieses

Hälfte etteln

dieses

te.-- Men­

n das

d wir

ag zu e, sie

ch um zwei­n gab auch

camen camen n der

Tage

Mägen e eine

17

Leid

Aerztliche Untersuchung mit Erholungsurlaub

In keinem anderen Konzentrationslager gab es ein derartiges Kommen und Gehen der Häftlinge wie in Auschwitz . Nach meinen vorangegangenen Schilderungen kann dieses nicht weiter verwunderlich sein. Es lag an den ärztlichen Untersuchungen, bei welchen stets soviel Häftlinge für arbeits­unfähig geschrieben wurden, daß dadurch stets ein großer Abgang vor­handen war. Dieser Abgang aber mußte durch Neueingang ersetzt werden. Auch im Lager Jawischowitz fanden diese ärztlichen Untersuchungen statt. Die Untersuchungen wurden von einem SS.- Arzt aus dem Lager Auschwitz durchgeführt. Wir Häftlinge mußten vor ihn hintreten und der Arzt schaute uns an. Wir brauchten uns dabei nicht auszuziehen. Die Untersuchungen gingen sehr schnell vor sich. Wer einen abgemagerten Eindruck machte, oder gar der SS.- Arzt- Bestie unsympathisch war, wurde unbemerkt durch einen Häftlingspfleger aufgeschrieben.

Sah einer von uns Häftlingen als zu schwach und mager aus, so sagte der SS. - Arzt zu ihm, indem er ihm auf die Schulter klopffe: Sie haben schon genug gearbeitet, Sie brauchen Erholung, damit Sie wieder mit fri­schen Kräften für den Sieg arbeiten können." Höhnischer konnten keine Worte gesprochen werden. Dieses in Worten ausgedrückte Wohlwollen ging uns durch und durch. Wie Eiswasser lief es uns über den Körper, wenn wir solche Worte hörten. Inzwischen war dieser Häftling von dem Häfflings­pfleger auf die Liste der Erholungsbedürftigen" gesetzt.

Trotzdem aber wurden diese Erholungsbedürftigen ohne Unterbrechung in die Grube geschickt und erst nach einigen Tagen zurückbehalten, wenn das Hauptlager Auschwitz den Bericht des Arztes zur Kenntnis genommen hatte. Der Herr Lagerführer schickte darauf einen zweistöckigen Viehwagen nach Auschwitz , in welchen die Häftlinge ohne Kleidung, ganz gleich ob es Sommer oder Winter war, nach dem Aufruf ihrer Namen hineingestoßen wurden. Dieser zweistöckige Viehwagen war hoch mit Stacheldraht über­zogen. Er war schnell von Erholungsbedürftigen gefüllt. Und zur letzten Füllung, Leichen waren ja immer da, wurden die in den letzten Stunden verstorbenen Häftlinge noch hinaufgeladen. Es kam häufig vor, daß die Toten einfach auf die Schwachen, auf dem Wagenboden liegenden er­holungsbedürftigen Häftlinge geworfen wurden. War auch dann noch Platz vorhanden, so kamen noch einige Kranke hinzu, die nur kurze Zeit zur völligen Wiederherstellung ihrer Gesundheit" in das Hospital kommen soll­ten, die jedoch nie wieder zurückkehrten. Sobald die erkrankten und er­holungsbedürftigen Häftlinge das Lager Jawischowitz verlassen hatten, wurde die Kleidung der Abgegangenen desinfiziert und bereits neu ein­getroffenen Häftlingen wieder zugeteilt.

Mit strahlendem Lächeln standen die SS. - Bestien dabei, wenn dieser Vieh­wagen mit den Kranken und Schwachen das Lager verlief. Schrecklich war der Anblick, wie man Menschen wie Vieh zur Verladung brachte. Alle diese erholungsbedürftigen Häftlinge tauchten nie wieder auf, denn wie wir erst später erfuhren, hatten auch diese bereits eine Stunde nach ihrem Abtransport ihr Leben in den Gaskammern von Auschwitz ausgehaucht.

Auch ich wurde einmal unbemerkt bei einer solchen Untersuchung auf­geschrieben. Aufgeregt kam am nächsten Tage ein Kamerad aus dem Häft­lingskrankenbau zu mir und sagte: Weißt Du, daß Du auf der Liste zur Vergasung stehst?" Ich muß wohl kreideweiß geworden sein und ich drohte, in Ohnmacht zu fallen. Tränen liefen mir über die Wangen. Ich konnte es

109