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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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Verbluten gerettet werden konnten. Einige Menschen hatten auch Giff ge­nommen, doch war die Dosis zu klein gewesen, so daß auch diese unter entsetzlichen Qualen ins Hospital eingeliefert werden mußten.

Diese ganzen Bilder ließen eine derartige Zerrüttung der Nerven ein­treten, die nicht zu beschreiben war.

" Rolf", sagte meine Mutter zu mir, wenn Du weg mußt, dann bleibe ich nicht hier. Wir gehen zusammen. Was ich jetzt erlebt habe, das ist zuviel. Ich habe vieles im Leben voll Gottvertrauen ertragen, aber dieses geht über meine Kraft."

Nun lag es an mir, meine Mutter zu beruhigen, ihr immer wieder Trost zu spenden und zu sagen:" Mutter, wir bleiben zusammen. Bleibe ruhig. Ich bin morgen wieder bei Dir." Und dann ging ich über allerlei Lumpen und zerrissene Koffer hinweg aus dem Lager hinaus. Nach der Pumpstation. Vielleicht zum letzten Male. Trübe Gedanken umgaben, quälten mich. Und ich weiß es auch heute nicht mehr, wie ich in der Station angelangt bin.

Der Tag der Entscheidung

Ich ahnte es, daß ich die letzten Stunden in unserer herrlich gelegenen Pumpstation verbrachte. Es war mir klar, daß man um mich keine Ausnahme machen würde. Darum ging ich noch einmal ins Dorf, um mich von den Menschen, die mir lieb geworden waren, zu verabschieden, aber auch, um noch einige Kleinigkeiten einzukaufen, die ich für die Fahrt gebrauchte. Ueberall sagte man mir freundliche Worte und gab seinem Abscheu über die Hitler - Schergen und alle durch sie veranlaßten Maßnahmen offenen Ausdruck.

Es war der 7. August. Der Tag erschien mir anders als die übrigen Son­nentage. Die Sonne stand schon recht hoch am Himmel. Aber dennoch war es recht frisch. Von den Weiden klang das Glockengeklirre der Kühe her­über. Die Vögel zwitscherten. Trotzdem aber zogen leichte Nebel wie Rauchschwaden dahin.

Die Unruhe trieb mich ins Lager. Meinen kleinen Koffer, in dem ich meine Habseligkeiten schon verpackt hatte, ließ ich noch zurück. Gleich der erste Posten am Tor sagte mir, dat niemand das Lager mehr verlassen dürfe, es sei denn,-- mit einem Sonderbefehl der Garde mobile". Ich ging doch hinein. Es zog mich zu meiner Mutter. Auch war es mir bewußt, dak man mich doch holen würde, wenn ich für den zweiten Transport vorge­sehen war.

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Vor dem Lagerbüro standen viele Menschen, die auf die Bekanntgabe der Liste des zweiten Transportes warteten. Verhärmte Gesichter.-- Teil­nahmslos. Mit flackernden, unsteten Blicken. Als ich zwei Stunden ge­wartet hatte, kam der Direktor. Er übergab mir die Liste für die Pump­station. Darauf war nur mein Name verzeichnet. Ich konnte dieses zuerst nicht fassen.-- Also doch fort! Ganz im stillen hatte ich immer noch eine kleine Hoffnung gehegt, mit meiner Mutter hier bleiben zu können.-- Ganz im stillen. Entgegen aller Vernunft. Nun aber war auch diese Hoffnung zerstört. Der Direktor beruhigte mich und sagte:" Ihr kommt ja alle fort. Das ganze Lager wird geräumt!-- Holen Sie Ihren Koffer. Ihr Transport geht heute abend um 6 Uhr."

Da ich das Lager nicht mehr allein verlassen durfte, gab man mir einen Posten mit. Zuerst aber ging ich noch einmal zu meiner Muffer. Auch dort

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