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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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Ich habe so ein Gefühl, daß Du alles gut überstehst. Wenn ich als alte Frau vielleicht auch sterben muß, Dich wird das Schicksal erhalten."

Im Lager sah es jämmerlich aus. Schon stundenlang warteten die Men­schen auf den Abtransport. Berge von Koffern und Säcken lagen auf der Straße. Die Menschen waren über Nacht grau und alt geworden. Am schreck­lichsten waren sie von der Mitteilung getroffen, daß die Familien ausein­andergerissen wurden. Man trennte die Frau vom Mann und die Kinder von der Mutter. Die entsetzten und gequälten Gesichter waren kaum zu ertragen. Aber ich wußte ja, es war die alte Taktik der SS. - Banditen und Hitler- Schergen, das entsetzliche Leid, was uns getroffen hatte, noch ins Unermeßliche zu steigern. Ueberall hörte man Klagen. Dann auch wurden Männer, deren Zuname mit dem Buchstaben" M" begann und mit dem ersten Transport fahren sollten, ganz plötzlich für den zweiten Transport eingeteilt. So riß man mit Bosheit alles auseinander. Die letzte Hoffnung auf ein bißchen Liebe schwand dahin. Dazu noch die Frage Wohin?" In der Zwischenzeit waren Gerüchte durch das Lager gegangen, die als Ziel unserer Reise Deutschland , Polen , Frankreich und sogar Nordafrika an­gaben. Ein Gerücht folgte dem andern. Doch fand die Meldung, es ginge nach Polen , im Laufe des Tages immer mehr Anhänger. Ich persönlich war vollkommen davon überzeugt, daß kein anderer Bestimmungsort als ein Orf in Polen für uns in Frage käme. Dann aber würde es auch die letzte Fahrt sein, die wir in unserem Leben machten.

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In unserem Lager waren noch ungefähr 6000 Juden vorhanden, nachdem zuvor 1200 in andere Lager übergeführt und ungefähr 950 auf dem Friedhof in Gurs zur letzten Ruhe bestattet waren. Von dieser Zahl safen nun 2500 Menschen auf ihren letzten Habseligkeiten. Junge und Alte, Frauen, Männer und Kinder schleppten ihre Koffer und Säcke mühselig nach dem Ort, wo die Gepäckstücke gesammelt wurden. Am Lagertor wurden nochmals alle Lagerinsassen, die für diesen Transport vorgesehen waren, aufgerufen. Jeder bekam von der Secours Suisse" und von den Quäkern" etwas Suppe und Obst. Das war das Letzte, was die Hilfsorganisationen den leidenden Menschen geben konnten.

Lastkraftwagen standen bereit. Abermals wurde eine Trennung, und zwar diesmal nach Geschlechtern durchgeführt. Jeder Lastwagen wurde von zwei Posten bewacht. In rasender Fahrt ging es aus dem Lager hinaus und ins Ungewisse hinein. Fünfzehn Kraftwagen fuhren hin und her und brachten die Menschen nach dem Bahnhof.

Es hatten sich am Tage zuvor viele Lagerinsassen versteckt. Sofort war eine große Suchaktion durchgeführt worden. Man fand sie alle. Nach und nach kamen sie alle ans Tageslicht. Für einige Wenige aber, denen ent­weder die Flucht gelungen war, oder die sich ein Versteck gesucht hatten, in dem sie noch nicht gefunden waren, mußten andere Lagerinsassen ein­springen, die willkürlich aus der wartenden und zuschauenden Menge her­ausgenommen wurden.

Tief erschüttert von meinen Eindrücken kehrte ich in die Baracke zu meiner Mutter zurück. Hier waren neue, herzerschütternde Szenen eingetreten, nachdem die armen Menschen von dem Auseinanderreißen der Familien Kenntnis erhalten hatten.

Es drohte eine Selbstmordepidemie auszubrechen. Alle sahen den Unter­gang vor Augen. Niemand wollte in das Ungewisse hinein. Lieber den Tod vor Augen, als entsetzliche neue Qualen. In wenigen Stunden war das Hospital von Menschen überfüllt, die versucht hatten, sich Hals- oder Puls­schlagadern zu öffnen, und die nur im letzten Augenblick noch vor dem

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