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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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Ration Marmelade. Es war mir, als ob selbst die aus meiner Freiheit" gebrachten Blumen aus Neid erblatten.

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Am andern Tage, es war der 1. August und die Sonne stand schon hoch am Himmel, läutete der Fernsprecher. Eine aufgeregte Stimme forderte uns auf, sofort, nacheinander,- ins Lager zu kommen. Es müßte eine neue Liste aufgestellt werden, doch könnten die Angaben nicht telefonisch ge­macht werden, weil die Verwaltung unsere Unterschrift benötige.

Als erster ging ich. Das Lager sah, als ich dort eintraf, anders aus wie sonst. Ueberall standen kleine, teils laut,-- teils still debattierende Gruppen von Menschen herum. Doch störte mich dieses nicht. Es war eine altbekannte Tatsache, daß die Pessimisten des Lagers nach jeder Anfor­derung einer neuen Liste ihre Wahrscheinlichkeitsberechnungen" verkün­deten und dann immer eine Reihe von unklaren, hoffnungslosen Menschen um sich versammelten.

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Das Lagerbüro bot das gleiche Bild. Auch hier überall aufgeregte Men­schen in dichten Gruppen beeinander. Doch waren es hier überwiegend alte Lagerinsassen, die wieder größtenteils zu den immer gut aufgelegten Optimisten zählten. Neugierig trat ich an den Schalter, dort sagte der Be­amte, ein ehemaliger Spanienkämpfer, zu mir: Na, Weinstock, jetzt geht es los!"

" Ich habe hier eine Heimat gefunden. Ich bleibe für immer hier!" ant­wortete ich lächelnd. Hierauf legte er mir einen Bogen vor, auf dem die Frage gestellt war:

" Wollen Sie allein fahren oder mit Ihren im Lager befindlichen Eltern, Verwandten oder Bekannten? Gegebenenfalls geben Sie sofort die Namen, die Jlots und die Baracke dieser Angehörigen an!"

Außerdem wurde jedem Lagerinsassen aufgegeben, sofort das Einver­ständnis der Angehörigen usw. zur gemeinsamen Abfahrt herbeizuschaffen. Nun wurde auch ich unruhig. Es kam mir alles so geheimnisvoll, so gestapo­mäßig vor. Schnell ging ich zu meiner Mutter, um mich mit ihr zu beraten. In der Baracke saben alle Frauen aufgeregt beieinander. Nur meine Mutter war guten Mutes. Auf meine Frage antwortete sie sofort klipp und klar: " Wir fahren zusammen, Rolf, mag kommen, was will!" Nur schwer konnte ich mich wieder aus dieser Baracke entfernen, weil mich die Frauen alle in dem Glauben, ich wisse mehr, umringten und Fragen über Fragen an mich richteten, die ich nicht beantworten konnte.

Ganz allgemein herrschte belebend die Meinung vor, wir kämen in ein besseres Lager.

Auf der Station wartete mein Kollege schon in Spannung auf meine Rück­kehr. Schnell klärte ich ihn auf. Wir berieten noch in aller Eile, ob es im Falle eines Abtransportes geraten sei, zu fliehen oder uns zu verstecken. Wir kamen zu dem Entschluß, daß eine Flucht uns keine Vorteile bringen könnte. Dann ging er ins Lager. Der Lagertelefonist war gebeten, uns sofort anzurufen, wenn etwas Neues im Lager bekannt würde.

Am darauffolgenden Tage wurde mir gesagt, daß alle Frauen, deren Männer oder Söhne in französischen Diensten ständen, nicht abtransportiert würden. Sicherheitshalber sprach ich noch einmal mit dem Direktor des Lagers. Er sagte mir, ich hätte nichts zu befürchten, mein Bruder stände in französischen Diensten, also würde meiner Mutter nichts geschehen. Sie bleibt hier!" sagte er mir.

Trotzdem hatte ich meiner Mutter geraten, ihre Sachen so gut wie mög­lich in Ordnung zu bringen, denn man konnte ja nie wissen". Und schließlich hatte ich ja bereits genügend Erfahrungen gesammelt. Kaum

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