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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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Villa Frieden"

So hatten wir unsere Baracke genannt. Und es konnte kein besserer Name dafür gefunden werden. Eine kleine Gartenlaube zierte unseren Vorhof, den wir angelegt und mit Sträuchern ausgeschmückt hatten. Wir badeten alle Tage, denn wir befanden uns ja auf einer kleinen Insel. Auf der einen Seite floß der reifende Strom dahin, und auf der anderen Seite erging sich mit zierlichem Plätschern ein schmales Flüchen. Eine Brücke verband uns mit dem Festland". Doch war auch ein kleines Boot vorhanden.

Von unserem Garten aus hatten wir nach allen Seiten einen herrlichen Aus­blick über grüne, saftige Wiesen, auf denen viel schönes Vieh weidete. Die blühenden Bäume, das Gezwitscher der Vögel und das in stetem Rhyth­mus plätschernde Wasser,-- es war alles so voller Romantik. Es herrschte so tiefer Frieden". Es war unmöglich, sich dieses Fleckchen Erde vom Krieg umbrandet vorzustellen.

Wir erhielten off Besuch aus dem Dorf. Auch der 400 Meter von uns ent­fernt wohnende Mühlenbesitzer zählte zu diesen Besuchern. Er brachte uns Milch, denn, so sagte er: Kaffee ohne Milch könne man doch nicht trin­ken!" Wir aber hatten im Stillen gedacht: Wenn Du wüßtest, was wir schon alles trinken und auch essen haben müssen!"

In meiner Freizeit beschäftigte ich mich damit, für meine Mutter, deren Geburtstag mit Ende Juli heranrückte, einen Holzkoffer zu fertigen. Außer­dem hatte ich zur Unterstützung unserer Küche einen Gemüsegarten an­gelegt, der viel Mühen erforderte. Der Garten umfaßte immerhin eine Fläche von 250 qm. Wenn ich die Pflanzen in aller Frühe morgens go, dann dachte ich immer, ob wir wohl noch ernten? Oder sollte dann gar schon Friede" sein?

So verging die Zeit. Jede Woche gingen mein Kollege und ich abwech­selnd zwei- bis dreimal ins Lager. Und immer wieder trennten wir uns schweren Herzens von unseren Angehörigen. Unsere Bitte, einmal in der Woche unsere Lieben in der Station empfangen zu dürfen, hatte man be­dauerlicherweise abgeschlagen. Außerdem standen wir täglich mit dem Lager in telefonischer Verbindung und erfuhren dadurch alle Neuigkeiten. Es ging alles seinen Weg. Und die Listen, die immer wieder angefertigt werden mußten, beunruhigten uns schon nicht mehr. Einmal wurde nach dem Namen gefragt, einmal nach dem erlernten Beruf, nach dem Geburts­tag und nach allen möglichen anderen Dingen. Und ein anderes Mal wollte man wissen, ob wir gesund oder krank seien.

Es mute ja Krieg geführt werden. Und wenn es sich auch nur um einen Papierkrieg handelte.

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Wollen Sie zusammen fahren?

Unter den vielen Geschenken, die meine Mutter zum Geburstag erhalten hatte, befanden sich einige Gaben, die von ganz besonderer Liebe zeug­ten. Mein großer, selbstgefertigter Koffer, der viel Platz beanspruchte und der, wie ich meiner Mutter gesagt hatte, nur für die Heimfahrt" be­nutzt werden sollte, verschwand trotz seiner Größe gegen so manche kleine Gabe, die den Geburtstagstisch zierte. Wie rührend war es, als eine Lei­densgenossin eine Scheibe Brot auf den Tisch legte, oder eine andere ihre

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