uns beim Betreten der Baracke entgegen. Er zeigte uns unsere Räume. Die erste Baracke bestand aus einem Wohn- und einem Schlafzimmer. Die Küche lag neben der Baracke. Die zweite Baracke enthielt drei automatische Pumpen, zwei kleine und eine große. Dann erklärte er uns unsere Arbeit. Diese war nicht schwer, mußte aber mit großer Sorgfalt ausgeführt werden. Durch einen falschen Griff konnte die ganze Anlage beschädigt werden. Zu unseren täglichen Arbeiten gehörte auch das Reinigen der Pumpen und die Filtrierung des Wassers durch Zuschütten von Desinfektionsmitteln.
Mein Kollege, der zu kochen verstand, übernahm die Küchenarbeiten. Ich übernahm das„ Organisieren", da ich mich mit den Leuten verständigen konnte. In allen anderen Arbeiten wechselten wir uns ab.
Heimat
Zwei Tage waren vergangen. Zwei Tage lebten mein Kollege und ich außerhalb des Stacheldrahtes,-- und immer noch war uns, als sei alles ein Traum.
Die ersten Schritte aus der neuen Wohnung, frei und unbewacht, führten mich in das einen Kilometer entfernte Dorf Dognen". Als ich mich von meinem Kollegen verabschiedet hatte, durchdrang mich ein Gefühl, als müsse mir dieser Tag ein besonderes Erlebnis bringen. Wir hatten solange im Lager gelebt, daß ich den Sinn für eine andere menschliche Gemeinschaft fast verloren hatte.
Mit einem Wörterbuch bewaffnet, dessen Inhalt ich auf meinem Wege studierte, schlenderte ich durch den schönen Tag. Und als ich das Dorf erreicht hatte, erfaßte mich die Sehnsucht nach der Heimat. Ich wähnte mich in einem Dorfe daheim, weit fort von hier, ich sah Menschen, die ich kannte und die mich freundlich fragten: Wie geht's?" Die Hühner und Gänse, es waren die gleichen wie daheim, und die Kühe und Ochsen schauten mich ebenso blöd an wie daheim. Eine Katze lief miauend über den Weg. Die Hähne krähten, die Gänse schnafterten.-- Alles wie daheim!--
Und doch fremd!-- Wohl kamen mir Menschen entgegen.-- Doch sie gingen ohne Worte vorüber. Sie trieben das Vieh auf die Weide.-- Still und stumm. Andere Menschen trieben Ochsen an, die einen zweirädrigen mit Obst beladenen Wagen zogen. Die Peitschen knallten. Die Leute sahen mich an, weiter nichts.-- Und es war so ein schöner Tag!
Mit einem Male wurde ich aus meinen Sinnen gerissen.-- Ich erschrak.-- Ein junges Mädchen sprach mich an:„ Bon jour, monsieur!" Das junge Mädchen lächelte, als ich sprachlos vor ihm stand und zuerst keine Worte fand. So verträumt und versunken war ich die Straße dahingegangen. Jetzt verschwand ganz jäh mein Traum,-- ich war ja nicht daheim, ich war ja weif fort von meiner Heimat,- es waren ja fremde, unbekannte Menschen, die mir entgegenkamen.-- Und nun?
,, Bon jour, monsieur", hörte ich noch einmal sagen, oder war es nur der Widerhall in meinen Ohren? Ich nickte.-- Dann sprach das junge Mädchen weiter. Ich aber verstand sie nur schwer, denn sie sprach einen besonderen Dialekt, der sich wohl stark an die spanische Sprache anlehnte. Doch,-- junge Menschen verstehen sich schon. Wo die Worte fehlten, setzten Fingerzeichen und Handbewegungen ein. So verstanden wir uns schon bald. Als ich dem jungen Mädchen klar gemacht hatte, daß ich aus dem Lager„ Gurs " käme und warum und weshalb ich und noch so viele Leidensgenossen im
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