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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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Wasserpumpstation Dognen"

Es war am 15. Mai 1942. Die Bäume waren, um mit dem Liede zu spre­chen, bereits wieder ausgeschlagen. Die Sonne strahlte auf uns herab, und die Vögel zwitscherten ihr Morgenlied. In aller Frühe war ich in das Büro des Direktors des Lagers bestellt. Mit mir ein Arbeitskamerad aus der Schreinerei. Ahnungslos und bereit, einen Reparaturauftrag zu erhalten, kamen wir der Aufforderung nach. Der Direktor erwartete uns bereits und erklärte uns kurz:

" Gestern hat eine Sitzung der Jlot- Chefs stattgefunden. Hierbei sind Sie, Weinstock, zum Leiter der Pumpstation Dognen" bestellt worden. Die Station ist ungefähr vier Kilometer vom Lager entfernt. Der bisherige Chef, ein Spanier, wird Ihnen die erforderlichen Instruktionen geben, und ich hoffe, daß Sie sich in kurzer Zeit mit den Einzelheiten der automatischen Station bekannt gemacht haben. Ihr Kollege wird Ihnen zur Unterstützung mitgegeben. Sollten Reparaturen notwendig werden, die Sie nicht selbst beheben können, so rufen Sie bei mir an. Ich werde Ihnen dann sofort einige Leute schicken. Und nun machen Sie sich fertig. In zwei Stunden lasse ich Sie hinüberfahren. Sie erhalten als einzige Lagerinsassen einen Ausweis, der Sie berechtigt, zu jeder Tag- und Nacht- Zeit im Lager ein­und auszugehen. Erfüllen Sie Ihre Pflicht. Ich hoffe, daß ich nicht enttäuscht werde."

Dann reichte er uns die Hand und lächelte. Wir gingen hinaus. Wir waren so überrascht, daß wir kein Wort des Dankes gefunden hatten. Es ging alles so schnell. Die ganze Angelegenheit kam uns vor wie ein Traum. Allerhand Fragen gingen uns durch den Kopf.-- Wir sollten in die Freiheit" kommen? Wir sollten außerhalb des Stacheldrahtes leben?-- Können wir uns denn verständigen?-- Ich beherrschte die französische Sprache nur ein wenig, und mein Kollege verstand kein Wort davon. Was sagen un­sere Angehörigen dazu?

Doch wir hatten nicht viel Zeit. Schnell sprang ich in die Baracke meiner Mutter. Sie war hocherfreut. Tränen standen in ihren Augen, so sehr fühlte sie sich über das mir zugewiesene Amt geehrt.--

Alsdann packte ich meine Koffer. Dabei ließ mich der Gedanke nicht los: " Eine Mutter denkt doch an sich selbst zuletzt!"-- Obwohl ich meine Mut­ter jetzt nicht mehr zu jeder Zeit besuchen konnte, hatte sie mich hoch­erfreut fortgeschickt.

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Der Wagen kam. Wir luden unsere wenigen Habseligkeiten auf und fort gings. An den Posten vorbei, die uns freudig grüßten und uns Glück" wünsch­ten, durch die Sperren, unter dem aufgezogenen Schlagbaum hinweg, aus dem Lager hinaus. Wir befanden uns in Freiheit, in einer allerdings be­aufsichtigten" Freiheit. Wir waren aber außerhalb des Stacheldrahtes. Die Sonne schien mit einem Male viel heller. Die Vögel sangen lauter und inniger. Wir sahen Wald, Wiesen und Gärten, und wir fuhren an sau­ber und gutgekleideten Menschen vorüber. Das Auto fuhr schnell. Es ging über eine große Brücke, unter der sich der reißende Gave de Oloron" hindurchschlängelte. Unser Blick fiel auf zwei kleine mit Aluminiumplatten bedeckte Baracken. Das Auto hielt.-- Die Pumpstation. Wir waren angelangt. Uns zweien war, als seien wir aus der Hölle in den Himmel gekommen. Wir waren sprachlos. Wie oft hatten wir in den dumpfen Baracken darüber gesprochen, wie off davon geschwärmt.-- Und nun war es ganz plötzlich da. Freiheit, Gärten, Wiesen und Wald. Ein spanischer Zivilarbeiter kam

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