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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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Wenn ich jetzt nur einige aufzähle, so mögen mir bitte die übrigen dar­über nicht gram sein. Ich nenne: den Komponisten Mayrowitsch, die Sän­gerin der Berliner Staatsoper Maria Fuchs, den Wiener Filmkomponisten Leonhard Märker , den Zauberkünstler Farini und den ersten Konzertmeister des Wiener Burgtheaters, Brunner. Viele bekannte Künstler und Künstle­rinnen aus der Konzert- und Theaterwelt weilten unter uns.

Von diesen Künstlern lernte ich mehrere persönlich als hervorragende charaktervolle Menschen kennen.

Einige Zeit später faßten wir den Entschluß, uns das Leben im Lager zu erheitern. Was sollten wir auch immer jammern und klagen. Das Leben ist ja so kurz. Zunächst wollten wir alle Sonntage ein kleines Konzert veran­stalten. Das geschah. Später traten Dichter auf, die eigene Werke und Ge­dichte über das Lagerleben vortrugen. Teils ernst, teils heiter. Wir anderen aber waren immer ein dankbares, beifallsfreudiges Publikum. Eines Tages wurde sogar angeregt, einen Wettbewerb über die beste Nummer des Programms zu veranstalten. Jeder konnte sich beteiligen.

Dieser Vorschlag ließ mich nicht zur Ruhe kommen. Ich hatte mich näm­lich in dieser Zeit mit dem Gedanken herumgetragen, eine Reichstagssitzung zu imitieren". Meine Leidensgenossen, denen ich hin und wieder zur Belustigung einige Proben meines Könnens vorgetragen hatte, ermunterten mich in meinem Vorhaben und redeten mir gut zu. Immerhin hatte ich wohl Mut dazu, doch der Mut war gepaart mit Lampenfieber".

An einem Sonntag, die deutsche Kommission" war nicht anwesend, stieg mein Debut".

Auf einer mit den Fahnen der Nazis geschmückten Tribüne, auf der ein Rednerpult mit dem Adler des fausendjährigen Reiches errichtet war, er­schien ich unter dem Jubel der Anwesenden in der braunen Uniform und dem Haarschnitt Hitlers . Zwei ganze Stunden lang hielt ich dann eine ver­höhnende Ansprache, die immer wieder von Beifallstürmen unterbrochen wurde. Goebbels und Göring erschienen als nächste Redner. Selbstver­ständlich hatte ich mich genau wie diese beiden Herren" zurecht gemacht. Am Schluß des Abends erklärte man meinen Vortrag als die beste" Programmnummer, ich erhielt den ersten Preis. Aber nicht nur darum, weil die Uniformen formgetreu gefertigt waren, sondern auch deswegen, daß die Stimmennachahmung gut gelungen war.

Von diesem Tage ab wurde ich im Lager bekannt wie ein bunter Hund. Alle Jlot- Chefs verlangten die Wiederholung meiner Aufführung. Ich er­hielt dafür Geld. Und von meinen Einnahmen stellte ich jedes Mal der betreffenden Jlot- Kasse 25 Prozent zur Verfügung. Als ich durch alle Ba­racken durch war, bestellte mich eines Tages der Jlot- Chef" D" in sein Büro und bat mich, die Leitung der Jlot- Schreinerei zu übernehmen, welche die Reparaturen für das Lager auszuführen hatte. Für diese Tätigkeit wurden mir wöchentlich 20 frs. in Aussicht gestellt und außerdem erhielt ich als Sonderzulage täglich 50 g Brot und ein halb Liter Suppe. Vom frühen Morgen bis zum späten Abend hatte ich jetzt genug zu tun. Aber dennoch arbeitete ich nach Feierabend weiter, reparierte Koffer und Stühle und fertigte Koffergriffe aus Eisen. Oft mußte ich auch für die französische Kom­mandatur arbeiten. Nach einiger Zeit erhielt ich sogar einen Ausweis, der mich berechtigte, alle Gebäude des Lagers zu betreten, so konnte ich auch ohne Furcht vor Unannehmlichkeiten die Frauen- Jlots besuchen, wo ich dringende Arbeiten zu erledigen hatte.

Ueberall erhielt ich kleine Zuwendungen. Nach Arbeitsschluß besuchte ich häufig meine Lieben und teilte mit ihnen die erhaltenen Lebensmittel.

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