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Wenn ich jetzt nur einige aufzähle, so mögen mir bitte die übrigen darüber nicht gram sein. Ich nenne: den Komponisten Mayrowitsch, die Sängerin der Berliner Staatsoper Maria Fuchs, den Wiener Filmkomponisten Leonhard Märker , den Zauberkünstler Farini und den ersten Konzertmeister des Wiener Burgtheaters, Brunner. Viele bekannte Künstler und Künstlerinnen aus der Konzert- und Theaterwelt weilten unter uns.
Von diesen Künstlern lernte ich mehrere persönlich als hervorragende charaktervolle Menschen kennen.
Einige Zeit später faßten wir den Entschluß, uns das Leben im Lager zu erheitern. Was sollten wir auch immer jammern und klagen. Das Leben ist ja so kurz. Zunächst wollten wir alle Sonntage ein kleines Konzert veranstalten. Das geschah. Später traten Dichter auf, die eigene Werke und Gedichte über das Lagerleben vortrugen. Teils ernst, teils heiter. Wir anderen aber waren immer ein dankbares, beifallsfreudiges Publikum. Eines Tages wurde sogar angeregt, einen Wettbewerb über die beste Nummer des Programms zu veranstalten. Jeder konnte sich beteiligen.
Dieser Vorschlag ließ mich nicht zur Ruhe kommen. Ich hatte mich nämlich in dieser Zeit mit dem Gedanken herumgetragen, eine Reichstagssitzung zu imitieren". Meine Leidensgenossen, denen ich hin und wieder zur Belustigung einige Proben meines Könnens vorgetragen hatte, ermunterten mich in meinem Vorhaben und redeten mir gut zu. Immerhin hatte ich wohl Mut dazu, doch der Mut war gepaart mit„ Lampenfieber".
An einem Sonntag, die deutsche Kommission" war nicht anwesend, stieg mein Debut".
Auf einer mit den Fahnen der Nazis geschmückten Tribüne, auf der ein Rednerpult mit dem Adler des fausendjährigen Reiches errichtet war, erschien ich unter dem Jubel der Anwesenden in der braunen Uniform und dem Haarschnitt Hitlers . Zwei ganze Stunden lang hielt ich dann eine verhöhnende Ansprache, die immer wieder von Beifallstürmen unterbrochen wurde. Goebbels und Göring erschienen als nächste Redner. Selbstverständlich hatte ich mich genau wie diese beiden Herren" zurecht gemacht. Am Schluß des Abends erklärte man meinen Vortrag als die beste" Programmnummer, ich erhielt den ersten Preis. Aber nicht nur darum, weil die Uniformen formgetreu gefertigt waren, sondern auch deswegen, daß die Stimmennachahmung gut gelungen war.
Von diesem Tage ab wurde ich im Lager bekannt wie ein bunter Hund. Alle Jlot- Chefs verlangten die Wiederholung meiner Aufführung. Ich erhielt dafür Geld. Und von meinen Einnahmen stellte ich jedes Mal der betreffenden Jlot- Kasse 25 Prozent zur Verfügung. Als ich durch alle Baracken durch war, bestellte mich eines Tages der Jlot- Chef" D" in sein Büro und bat mich, die Leitung der Jlot- Schreinerei zu übernehmen, welche die Reparaturen für das Lager auszuführen hatte. Für diese Tätigkeit wurden mir wöchentlich 20 frs. in Aussicht gestellt und außerdem erhielt ich als Sonderzulage täglich 50 g Brot und ein halb Liter Suppe. Vom frühen Morgen bis zum späten Abend hatte ich jetzt genug zu tun. Aber dennoch arbeitete ich nach Feierabend weiter, reparierte Koffer und Stühle und fertigte Koffergriffe aus Eisen. Oft mußte ich auch für die französische Kommandatur arbeiten. Nach einiger Zeit erhielt ich sogar einen Ausweis, der mich berechtigte, alle Gebäude des Lagers zu betreten, so konnte ich auch ohne Furcht vor Unannehmlichkeiten die Frauen- Jlots besuchen, wo ich dringende Arbeiten zu erledigen hatte.
Ueberall erhielt ich kleine Zuwendungen. Nach Arbeitsschluß besuchte ich häufig meine Lieben und teilte mit ihnen die erhaltenen Lebensmittel.
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