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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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" Du, pa auf, daß Dich niemand sieht, ich werfe jetzt eine Zigarette hinunter!"

Und der Häftling, freudig bewegt über soviel Mensch I ich keit", über solche unverhoffte Freundschaft", war seiner Sinne nicht mehr mäch­tig, hatte im Augenblick alle Gefahren vergessen.

Wohin aber wurden die Zigaretten geworfen?--

Auf den Rasen!-- Von den noblen" SS. - Leuten und von den men­schenfreundlichen" Posten.-- Alle warfen die Stummel und Kip­pen auf den Rasen. Im Vertrauen auf die Worte, auf das geheuchelte Mit­leid, stürzten sich die Häftlinge auf den Rasen und-- wurden im gleichen Augenblick von den Scharfschützen erschossen. Sie standen ja schon bereit. Es war ein Opfer gesucht worden.

Warum so viele Worte über einen Toten?!

Und im Postenturm hielt man sich den Bauch vor Lachen und machte die letzten Bewegungen des Toten nach.--" So ist er gerannt, das dumme Luder, hahaha!"

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Das Werk der SS.

Am 1. Mai 1939 öffneten sich auch für mich mit noch sechs anderen Kame­raden die Tore der Hölle von Dachau . Wir waren die letzten Häftlinge der von Rath- Aktion. Hinter diesen Toren hatten wir das Schrecklichste und Grausamste erlebt, was Menschen je erleben können.

Mord, Todschlag und feige Hinterlist hatten im Lager Dachau regiert. Mit fanatischer Begeisterung war die SS. an der Arbeit gewesen, zu fol­fern, zu morden, verhungern zu lassen. Stolz hatte sie auf die Haufen der aufgestapelten Leichen geschaut,-- zynisch lächelnd, wenn uns anderen der Mut sinken, wenn uns die Verzweiflung niederschmettern wollte.

Die unglaubhaftesten Erlebnisse lagen hinter uns. Wir fragten uns selbst so oft: wie ist es nur möglich gewesen, alle Quälereien zu überstehen? Würde man uns glauben, wenn wir daheim erzählen würden?-- Nein, nein, so antworteten wir.

Gerade darum hatten diese Kreaturen ja solche unglaubhaften Quäle­reien erdacht! Man sollte uns nicht glauben können. Wir sollten als Lügner erscheinen.

Mit dem Ausdruck tiefster Abscheu und noch tieferer Verbissenheit gegen alles, was Nationalsozialismus heißt, kehrten wir in unsere Heimatorte zurück. Dort aber lernten wir dann die Propaganda für dieses herrliche Regime kennen und erfuhren, daf Adolf Hitler der Schöpfer der deutschen Kultur" sei! Schande über Schande!

Wie konnte sich ein Mensch Schöpfer der deutschen Kultur" bezeichnen oder bezeichnen lassen, der als Gründer der vertierten Bestialität" anzusehen war. Aber hinter all dieser Verherrlichung der Partei stand ,,, da s wahre Gesicht Hitler- Deutschlands", das Konzentrationslager, die Hölle von Dachau , und grinste uns an.-- Und ließ uns noch erschrecken, wenn wir nur davon hörten. Wir aber mußten schweigen!

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