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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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gelungen war, der überschlauen" und mit allen Wassern ge­waschenen" SS. ein Schnippchen zu schlagen, wenngleich wir auch etwas vom Neid erfaßt waren.-- Aber, das dürfte verständlich sein, denn dieser Hölle zu entrinnen, war der sehnlichste Wunsch aller Häftlinge.

Die gesamten Polizei- und Gendarmeriestationen, sowie die Gestapo­stellen waren auf der Suche. SS. - Hundesuchkommandos waren eingesetzt. Und uns drohte man, wir müßten solange stehen, bis der entflohene Häft­ling gefunden sei.

Es regnete nicht mehr. Es war kalt. Alles war ruhig um uns.

Vor uns lagen einige erfrorene alte Männer. Wir wollten sie hinter un­sere angetretenen Reihen legen. Man verbot dieses.

" Laßt sie liegen, die Hunde. Ihr kommt auch noch daran. Dann geht's zu­sammen ins Krematorium!", brüllte uns ein junger Oberscharführer an.

Wir hielten es zunächst für unmöglich, daß man uns noch lange stehen lassen könne. Aber wir wurden eines Besseren belehrt. Bei der SS. war nichts unmöglich". Alte Häftlinge hatten uns erzählt, daß sie einmal fünf Tage ununterbrochen stehen mußten, weil ein Häftling entflohen war. So brach der neue Tag an. Wir standen noch immer. Die Toten um uns hatten sich vermehrt. Es war sechs Uhr in der Frühe. Das Kommando zum Zählappell ertönte. Der Lautsprecher meldete:

, Während des Zählens durch die einzelnen Blockführer müssen sämtliche Toten aufgestellt werden. Wenn sie auch tot sind, sie werden mitgezählt." Wir stellten die Toten auf, stützten sie, und legten sie nach dem Zählen wieder auf die Erde, genau dorthin, wo sie gelegen hatten.

Die Zählung war beendet, wir glaubten auch die Quälerei. Weit gefehlt. Wir mußten weiter stehen. Das Küchenpersonal, die Kranken mit erfrorenen Gliedmaßen, mit Verbänden, die an Lungenentzündung Erkrankten, alle-- alle. Die Zeit verging.-- Es wurde Mittag, und es wurde wieder Abend. 24 Stunden standen wir nun schon ohne Essen, ohne auch nur einmal aus­treten zu dürfen, im Anblick der Toten zu unseren Füßen.

Wir bissen die Zähne aufeinander.-- Vielleicht-- vielleicht gab es noch eine Hoffnung auf Rettung. Es wurde wieder dunkel. Die neue Nacht brach herein. Wir standen. Noch mehr Tote lagen zwischen unseren Reihen. Gegen drei Uhr des nächsten Tages hörten wir aus der Ferne dumpfen Trommelschlag. Die Lichter des Lagers erloschen, nur das Licht im Lagerfor blieb brennen. Die Tore öffneten sich abermals, wir standen stumm, nie­mand rührte sich, niemand schaute sich um.

Das dumpfe Trommeln kam näher und näher. Der Lautsprecher verkün­dete: Schutzhäftlinge- Augen links!" Wir schauten nach dem Tor. Ein Scheinwerfer blitzte auf. Der Trommelschlag erklang härter.

Durch das Tor kam ein Mann herein.-- Wir sahen genauer hin.-- Wer kam da? Es war der entsprungene Häftling. Nach 32 Stunden hatte man ihn wieder erwischt. In Zivilkleidern, die er sich gleich nach seiner Flucht verschafft haben mußte, und mit einer umgehängten Trommel kam er herein. Mit geschwollenem Gesicht, blutbespritzt und hängendem Kopf ging er an uns vorbei.-- Er selbst mußte ununterbrochen die Trommel rühren. Trom-- from-- from." Schauerlich erklang das eintönige Trom-- from."-- Und hinter diesem lebenden Leichnam marschierten die Sieger". Voller Freude über diesen unter Aufbietung aller Kräfte und des gesamten Staats­apparates errungenen Sieg, marschierte die ganze Lagerleitung und die gesamte diensttuende SS. hinterdrein bis zum Bunker mit den Einzelfolter­zellen. Dort ist unser mutiger Kamerad dann den grausamsten Tod gestor­ben, den man sich nur denken kann.

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