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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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Mit den Säuberungsarbeiten wurde es immer sechs Uhr. Es war noch dunkel. Doch wir marschierten. Zunächst zum Appellplatz, dort wurden wir gezählt und nochmals gezählt. Es war inzwischen sieben Uhr geworden. Die SS. - Wachmannschaften, die uns zählen mußten, ob noch alle Num­mern" vollzählig waren, hatten dicke, weiße Fellmäntel an und warme Handschuhe über die Hände gestreift,-- uns aber war es verboten, die Hände auch nur einen Augenblick in die Taschen zu stecken.

Wurde jemand dennoch dabei ertappt, so wurden ihm die Taschen zu­genäht, natürlich wurde er wegen Nichtachtung eines Befehls auch noch in anderer Weise, und zwar recht fühlbar" gestraft.

Nur langsam verging die Zeit. Unsere steifgefrorenen Glieder spürfen wir nicht mehr. Wenn wir umzufallen drohten, wenn unsere Füße uns kaum noch halten konnten und unsere Körper schwankten, dann standen die SS. - Banditen zynisch lächelnd dabei und warteten nur darauf, daß einige Körper versagten. Dann sprangen sie zähnefletschend hinzu, um Hilfe" zu leisten.-- Für Ohnmächtige aber, deren Besinnung nicht wiederkommen wollte, wurde hilfreicher Weise" der zweiräderige Leichen­karren" herangerollt.

Glaubten wir aber, es sei zu Ende, waren wir alle nochmals gezählt, faßte uns die große Freude, die das kleine Wort endlich" nach jeder Er­wartung ausdrückt, dann wurde allzu oft durch den Lautsprecher verkündet: " Arbeitskommando abrücken, Juden stehen bleiben!"

Und dann standen wir weitere zwei, drei und auch vier Stunden in der Kälte. Erst wenn mehr als die Hälfte von uns umgefallen waren, ließ man uns ,, marschieren". Mit Füßen, die wir nicht mehr bewegen konnten, muß­fen wir marschieren".- Wir konnten die Füße nicht voreinander setzen, aber-- wir marschierten, denn die SS. - Mannschaften halfen" uns. Und ihre Hilfe ließ uns warm" werden. Es war grausam, es war mehr als grausam.

An anderen Tagen wurde ein vierstündiger Sport mit uns getrieben.-- Fragt ihr, was für ein Sport? Ich weiß, ihr seid sportbegeistert.-- Um un­seren Sport aber hättet ihr uns nicht beneidet.

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Vorwärts, marsch,-- eins- zwei, eins- zwei", in immer schnellerer Gang­art, dann laufen, springen und,-- um uns fröhlich zu machen-- singen, singen ,,, lauter,-- noch lauter", bis uns der Atem verging.

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Den Takt gaben die Peitschen und Knüppel der SS. an. Wie Schäferhunde ihre Herde umkreisten uns die SS. - Banditen. Die Peitschenhiebe glichen den Hundebissen.

Wer umfiel, wurde solange geschlagen, bis er wieder aufstand. Wir muß­ten indessen in Kniebeuge" sitzen.

War die SS. innerlich do ch feige? Glaubte sie, wir würden über sie herfallen?

Es war grausam, es war aber auch grotesk. Eine Rotte waffenstarrender Kreaturen, Bestien, Mörder,-- und wir!

Ja, und wer nicht wieder aufstand!?-- Na, der war fot. Der wurde abgeschleppt. Die Bestien brauchten Fett für Seife.

Beim Laufen und Springen schauten wir erschöpffen Blickes immer wie­der auf die Lageruhr, doch die Zeiger rückten nur langsam, ganz langsam weiter.

Stand auch sie mit der SS. im Bunde? War denn in diesem Lager alles , bestialis ch"?-- Selbst die Zeiger der Uhr?

Ein anderes muß ich noch erzählen. Wem es morgens nicht möglich ge­wesen war, seine Notdurft zu verrichten, oder wer an Durchfall lift, sich

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