so da sie blutüberströmt auf den Nebengeleisen liegen blieben, man schlug auf sie ein, man trat sie ins Gesicht und in den Leib.
Wir waren erst vor dem Lagertor, und schon waren die ersten Opfer zu beklagen.
Zu dreien in einer Reihe wurden wir alsdann zum Tor getrieben.„Lau- fen”, ertönte der Befehl,„schneller" erklang es gleich hinterdrein.
Und mitten im Laufen ein anderer Befehl: ‚Langsam gehen!"
Die ersten zwei Reihen stoppten ab,-- die nachfolgenden Reihen ver- blieben im schnellen Lauf,-- die Menschen stolperten übereinander. Das aber nahmen die SS.-Banditen zum Anlaß, erneut auf uns unglückliche Opfer dreinzuschlagen. Sie lachten und jauchzten. Es waren Bestien, denen man ansah, daß ihnen unsere Qualen Freude bereiteten.
Das Tor lag vor uns.
„Abzählen zu fünfen!"
Hintereinander gingen wir hindurch.
„Wohin?-- Wenn wir das damals gewußt hätten! In großen eisernen Buchstaben stand über dem Tor:„Arbeitmacht frei”.
Und weiter gings.-- Durch eine Barackenstraße hindurch. Wir waren alle, Alte und Junge zum Umfallen müde, Wir keuchten, unsere Herzen rasten. Wir aber wurden weiter gehetzt und getrieben. Endlich waren wir an Ort und Stelle.
Viele von uns fielen um.„Ein Eimer Wasser hilft", hörte ich brüllen. Und schon wurden die Unglücklichen eimerweise mit Wasser überschüttet.
Bei einigen gelang dieses Mittel nicht. Sie blieben liegen.-- Da schleifte man sie hinweg und niemand sah sie jemals wieder.
Wir anderen aber mußten bis abends zehn Uhr stehen.
Ohne Essen zu erhalten, trieb man uns dann zu je 500 Menschen zusam- men in einen Raum, der für höchstens 200 Platz bot.
Wir lagen kreuz und quer übereinander. Es war eine schreckliche Situa- tion. Bevor das Licht erlosch, sagte man uns,„wer an das Fenster geht, wird erschossen!”
Dann waren wir allein. Und das Stöhnen und Seufzen über die quälen- den Schmerzen der erhaltenen Wunden hub an. Jämmerlich klangen die Wehklagen durch den Raum.
Es war kalt draußen. Dichter Nebel lag über dem Lager. Darum glaubten einige von uns, die an heftigen Atembeschwerden litten und sich auf die Fensterbänke gesetzt hatten, sie würden von den wachthabenden Posten nicht gesehen.
Die Scheinwerfer der Postentürme aber durchdrangen den dicken Nebel.
Fensterscheiben klirrten. Und gleich darauf fielen die Körper der Ver- trauenseligen tot zu Boden.
Die SS.-Banditen schossen gut. Lange und unheimlich war die Nacht.
Um fünf Uhr morgens trieb man uns wieder hinaus.-- Ohne Essen.-- Zitternd standen wir an dem breiten grünen Rasenstreifen, der die Lebens- grenze bedeutete. Von ihm aus waren es noch fünf Meter bis zu einem vier Meter tiefen und einen Meter breiten Wassergraben aus Beton, es folgte ein schmaler Rasenstreifen, dann ein Meter breite spanische Reiter und als letztes Wehr der acht Meter hohe mit 5000 Volt elekrisch geladene Stacheldraht.
Wer auch nur den Rasen betrat, hatte sich sein Todesurteil selbst ge- sprochen. Er wurde ohne Gnade vom Postenturm aus erschossen.
Wir waren Freiwild.
Man wartete auf dem Anstand auf uns, daß wir in die Lichtung traten.
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