und hohnlachend betrachtete man uns, faxierfe man uns ab wie„Schlacht- vieh". Wir wagten nicht, aufzublicken. Und doch spähte ich einmal nach rechts und einmal nach links. Als ob meine Blicke dorthin gezogen würden. Ich erkannte nichts. Meine Augen wurden geblendet von dem hellen Licht der Fackeln, die die SS. zum„Spalier” trug.
Aber es war mir, als stünden dort im Dunkel auch einige Menschen, die sich fragten und wieder fragten:„Warum?"-- Es waren Gedanken, die mich durchzogen, Worte hörte ich nicht. Bangen, eine ganz kleine Hoffnung,-- und wieder Bangen erfüllten mein Herz.
Sind die Menschen wirklich so schlecht?
Was haben wir denn getan? i
Ich war noch jung, und doch war mir, als lägen viele Jahre böser Er- kenntnis hinter mir.
Die Straßen führten nach dem Bahnhot.
Zu unserem„Empfang” war dort eine SS.-Kapelle angetreten. Sie spielte bei dem Näherkommen„unseres Fackelzuges” das Lied:„Ha'm Sie nicht den kleinen Chon geseh'n?” Weithin klangen die Töne in der Nacht.
Als das Lied beendet war, klatschte die neugierige Menschenmenge Bei- fall. Lachen und Jubel erklang.
Uns aber bespie man, rief„Pfui,-- pfui”, und stieß schwere Verwün- schungen aus.„Nieder mit den Juden,-- schlagt sie tot, wo Ihr sie trefft",-- so gellte es uns in den Ohren. Apathisch gingen wir dahin,-- und doch
konnte ich in unseren Reihen viele Männer und Frauen sehen, die auf- rechten Ganges und mit stolzerhobenem Haupt alles über sich ergehen ließen, ohne auch nur einen Ton der Klage zu äußern. Ich gedenke dieser Stolzen und Aufrechten immer wieder, auch jetzt noch, mit gröhter Freude.
Erlaßt es mir, liebe Mitmenschen, über die zu schreiben, die weinend und verzweifelnd in unseren Reihen waren,-- erlaßt es mir, die angsterfüll- ten Augen zu schildern, die unausgesprochen auf den Lippen hängenden Fragen,--„wo sind meine Kinder,-- wo ist meine Frau,-- mein Mann,-- meine Lieben?”-- Ich bitte Euch, erlakt es mir. Noch heute steht mir all das Grauen vor den Augen.
Nur wenige sind noch am Leben, die dieses, nicht als Zuschauer, sondern als Gegeißelte erlebt haben.
Auf dem Bahnhof standen Personenzüge bereit.
Man„trieb” uns in die Abteile hinein. Und der„Antrie b” dazu er- folgte nicht nur mit scharfen verächtlichen Worten. Doch können Worte härtere Wunden schlagen als rohe Fäuste und Tritte mit schweren Stiefeln.
Unter den Klängen antisemitischer Lieder setzte sich unser Zug nach zwei Stunden in Bewegung.
Eng aneinander gepreßt sahen oder standen wir in den Abteilen. Wir konnten uns nicht rühren.-- Wir hatten nichts zu essen. Doch, wir dachten auch nicht daran. Wir durften keine Notdurft verrichten,-- wir hätten es auch nicht können, denn ein Ausgleichen unserer Körper, ein Verschieben, war nicht möglich.
Die Fenster waren verhängt. Wir sollten nichts sehen und die Außenwelt sollte uns nicht sehen,
Oft hielt der Zug auf freier Strecke. Dann hörten wir das Schreien und Wehklagen der geschlagenen Menschen.
Nach Stunden, nach einer nervenzermürbenden Fahrt, hielt der Zug.-- Ein Ruck.-- Dann wurden die Türen aufgerissen. Peitschenbewaffnet stan- den SS.-Männer davor und trieben uns ins Freie. Viele von den älteren Leuten stürzten kopfüber auf den Bahnsteig. Blut floß.
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N. ware Man Män


