Druckschrift 
Im Machtbereich der Gestapo : Erlebnis-Roman ; der Wirklichkeit nacherzählt / Paul Frenk
Entstehung
Seite
81
Einzelbild herunterladen

Und er bleibt in der kleinen Westfalenstadt, übernimmt die kauf- männische Abteilung eines kleinen, wachsenden Betriebes und arbeitet sich derart schnell ein, daß der Chef sich für ihn, als er Rolfs Vergangenheit durch Überwachungsbeamte der Gestapo erfährt, ins Zeug legt. Und so darf er bleiben, arbeiten und leben.

Damit aber Rolf schweigt, wird er häufig von Gestapo - beauftragten inspiziert, gewarnt und heimlich überwacht. Und

_ Berger reißt sich zusammen denkt: Immer daran denken

nie davon sprechen!

Für ihn bedeutet die dramatische Kriegsentwicklung,die Steigerung der Kriegsschrecken und des Leides im eigenen Lande und Volke keine überraschende Wendung, sondern die logische und konsequente naturgemäße Entwicklung, er weiß um das Ende, er fühlt den weiteren Ablauf der Dinge in großen Zügen mit sicheren Sinnen.

Ursulas Leben ist flach und hemmungslos geworden. Sie hat sich an mehrere Männer vergeben, indem sie ihre Liebe teilte. Ihre innere Zerrissenheit ist zu einem Spiegelbild ihrer Lebens- haltung geworden. Berger, weiß nicht viel von ihren späteren Schicksalen. Doch eins weiß er sicher: Sie hat von einem ihrer Geliebten ein Kind bekommen und an den Folgen einer schweren Geburt büßt sie jetzt noch. Sie ist siech geworden und muß in einem Fahrstuhl gefahren werden...! 3

Berger ist erschüttert, findet keinen Groll mehr gegen sie er ist ruhig, weise und abgeklärt geworden. Wie der reifende Mann später die Weisheit erkennen lernt, erwirbt er sich die heitere Lebensfreude der Kindheit zurück, jene Sicherheit, in der auch der Tod nicht schwerer wiegt, als jede andere Wandlung in seinem Leben. Er hat erkannt, daß ein Knecht der Liebe und Leidenschaft nicht minder häßlich ist, wie ein Sklave der Trunk- sucht. Und er spricht sich aus über sein Leben mit gebildeten, weiß- und grauhaarigen Freunden, empfindet, daß Opfer und Güte mehr sind als Liebe ja eine wahre Freundschaft vielleicht herrlicher sein kann.

Liebe will besitzen und erringen, will Rechte, alleinige Herrscherrechte, will nicht teilen und nicht hingeben. Wenn sie das nämlich tut, ist es Opfer, aber nicht mehr Liebe. Liebe muß sein und nicht gewesen sein. Mag sie eine Art Egoismus sein,

6 Frenk: Im Machtbereich der Gestano 81