Druckschrift 
Im Machtbereich der Gestapo : Erlebnis-Roman ; der Wirklichkeit nacherzählt / Paul Frenk
Entstehung
Seite
79
Einzelbild herunterladen

t

ELFTES KAPITEL

Dann graut der Montagmorgen herauf. Um fünf Uhr rasselt der Schlüssel in der Tür und ein wohlwollender Beamter fordert mit scherzenden Worten die Insassen auf, aus diesem Bau zu ver­schwinden, sie hätten hier nichts mehr zu tun.

99

Wenn Sie nun das Nationalheiligtum, die ehemalige Zelle Hitlers , besichtigen wollen, dann müssen Sie erst die Anstalt ver­lassen, um dann erst als Gäste diese Anstalt zu besuchen", meinte der Beamte. Aber alle Entlassenen verzichteten auf dieses Ver­gnügen; ihr Bedarf vom Nymbus dieses Baues war reichlich gedeckt.

-

Und o Wunder vor der Pforte steht kein Gestapobeamter. Wie Kinder, denen sich die Wunder einer neuen Welt offenbaren, benehmen sich die Heimkehrenden. Rauchen mit Genuß eine Zigarette, die ein mehrjähriges Dasein im Gepäck verbracht hatte. Rolf hat seine Löhnung in einem Abrechnungsumschlag bei sich und der Gesamtbetrag seines Arbeitslohnes in 26 Monaten beträgt 68,25 Reichsmark!

-

1

Und nun reist Rolf gen München, nimmt dort die Gelegenheit wahr, um mit einigen seiner Kameraden einen Kriegskaffee im weiten Wartesaal zu trinken, wobei sie mit neuesten Kriegs­nachrichten durch riesige Lautsprecher traktiert werden. Er wandert dann langsam durch die Straßen, am Justizpalast vorbei zu seinen Verwandten, die dem Heimkehrenden tränenden Auges um den Hals fallen. Auch seine Großmutter eine feine Frau im greisen Alter von 81 Jahren, welche nach dem Tode seiner Mutter die Pflege und Erziehung Rolfs übernahm schließt ihn mit leuchten­den Augen in ihre welken Arme. Diese gereifte, gütige Frau, die in mitempfindendem Herzen zu ihm gestanden hatte wie alle seine näheren Verwandten und Bekannten.

-

-

-

Nach einem warmen Vollbad beginnt Berger vorsichtig wie ein Kind die für ihn immerhin schwere Kost zu probieren. Das Gefühl der Freiheit und die rührende Pflege sorgen dafür, daß " Berger sich schnell erholt. Erst nach Tagen sucht er einen Arzt auf, um einen dokumentarischen Befund über seinen Gesundheits­zustand zu erhalten.

,, Schwere Unterernährung, Herzstörungen und eine böse Schild­drüsenerkrankung" machen es Berger unmöglich, in Bälde seine

79