Druckschrift 
Im Machtbereich der Gestapo : Erlebnis-Roman ; der Wirklichkeit nacherzählt / Paul Frenk
Entstehung
Seite
76
Einzelbild herunterladen

Nahe bei Winniza wurden auf freiem, nur. mit Stacheldraht- verhau abgeschlossenen Feldern Hunderte und Aberhunderte Juden zusammengetrieben oder mit Lastzügen zusammengeholt. Und diese Juden und anderenunsicheren Elemente hatten einen breiten, langen Graben mit bereitstehenden Spaten auszuwerfen. Es waren Frauen aller Altersstufen, Kinder beider Geschlechter, Männer und Greise dabei.

Als dieses befohlene Werk getan war, erhielten alle in diesem Drahtverhau versammelten Menschen den Befehl, die Kleider ab- zulegen und auf einen Haufen zu werfen. Man hatte zu diesem. Schauspiel auch Offiziere der Wehrmacht als Zuschauer eingeladen. Sie wurden Zeuge mancher scheußlichen Einzelheit. Da waren zwei kleine Judenkinder, die sich fest an den Händen hielten und sich auch trotz der Befehle der SS. -Mörder nicht losließen. Unbarm- herzig sausten die Stahlruten auf die kleinen Körper, die aber eine derart erstaunliche Willenskraft aufwiesen, daß schließlich die Rohlinge davon abließen. Eine junge jüdische Frau wollte ihren Büstenhalter nicht ablegen. Und als die Rutenhiebe nichts fruchteten, riß ihr einer der Henker dieses restliche Kleidungs- stück vom Körper, um es dann mit einem verwunderten Auflachen seinen Kameraden zu zeigen. In diesem Halter waren von innen, fein säuberlich, Goldstidkchen nebeneinander eingenäht. Und doch war dies ein lächerliches Unterfangen der geschändeten Frau, da sie doch dem Tode geweiht war, wie alle anderen Menschen neben ihr. Maschinengewehre und-pistolen bellten auf und die an den Grabenrändern aufgestellten Gestalten fielen gegen die Schußrichtung in den breiten Graben. Benzin wurde auf die Körper gespritzt und der Brand sorgte dafür, daß eine Identifi- zierung der Gestalten später unmöglich war....

Etwa ein Jahr später, als Berger längst wieder die Freiheit zurückerhalten hatte, las er in deutschen Zeitungen über Winnıza und das vom Goebbelsschen Amt darüber herausgegebene Weiß- buch, als nämlich die Russen in raschem Vormarsch nach Westen waren und das Geheimnis der Massengräber um Winniza immer- hin so oder so ein Ende gefunden hätte.

Der Winter 1941/42 war in Landsberg ungemein hart und als die Schneeschmelze begann, da brach die gesundheitliche Kraft Bergers trotz aller Willensanstrengungen zusammen. Er brach über seiner Arbeit eines Tages zusammen. Der Arzt verschrieb ihm nach flüchtiger Untersuchung einige Tage Schonzeit in der Zelle. Tagelang lag Rolf dann unter seiner Wolldecke, fror, der-

76