einmal mitten in den grünen Rasen zu legen, mitten zwischen Gänseblümchen und gelbe Dotterblumen, über die die Bienen dahinsummen.
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Und dann kommt sein Rechtsanwalt ernst und sehr skeptisch erklärt er Berger doch, daß dieses sein letzter Prozeß vor einem Sondergericht sei, da er diese Art der Gerichtsbarkeit nicht vertreten könne. Er würde keine Vertretung mehr für das Sonderund Volksgericht annehmen, da die sogenannte Rechtsverteidigung eine Farce sei.
Trotzdem macht er Berger Mut und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß mit der verbüßten Haft wohl das Strafmaß erfüllt ist. Und nun nehmen die Vertreter der deutschen Gerichtsbarkeit ihre Plätze ein. Auf den dunklen Roben blinkt golden das eingestickte Hoheitszeichen mit dem Hakenkreuz, die Männer als Vertreter des Staates und nicht mehr des neutralen Rechts kennzeichnend.
Es folgen die üblichen Formalitäten, und dann wird das ganze Verhältnis Rolfs und Ursulas in allen Einzelheiten aufgerollt, peinlich für alle Beteiligten- um dann nach Erörterung vieler Nebensächlichkeiten auf die eigentliche Anklage zu kommen. Berger ist im Bewußtsein der Wahrheit seiner brieflichen Darlegungen und hält sie unvorsichtigerweise aufrecht, bestreitet einige ihm noch unterschobene mündliche Äußerungen, verwahrt sich gegen einige gehässige Äußerungen eines jungen, als Nebenrichter fungierenden SS - Angehörigen mit äußerster Ironie und Logik, um dadurch das Wohlwollen des Kollegiums zu verlieren.
Das Urteil lautet: 2 Jahre Gefängnis unter Anrechnung von 10 Monaten Untersuchungshaft! Rolfs physische Kräfte sind erschöpft nach dieser Anspannung- er sieht gleichgültig über die ihm bekannten Gestalten seiner Exbraut und ihrer Schwester hinweg. Er hatte sich schon lange mit allen Möglichkeiten abgefunden, war auf Überraschungen aller Art gefaßt, nachdem auch ihm die Ladung sämtlicher Entlastungszeugen abgeschlagen worden war.
Berger trifft im Justizpalast mit manchen Leidensgenossen zusammen, die hier oft für Jahrzehnte ihre Freiheit abgesprochen erhielten. Im Etappensystem wird Rolf dann in einem Gemeinschaftsraum des Polizeigefängnisses in der Ettstraße abgeliefert. Er verbringt hier eine furchtbare Nacht, da hunderte und aberhunderte Wanzen und Flöhe die Matratzen, Betten und Wände bevölkern. Übernächtigt besteigt er anderntages einen Transportwagen, um in die alte Zelle ins Stadelheim zurückgeführt zu werden.
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