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Im Machtbereich der Gestapo : Erlebnis-Roman ; der Wirklichkeit nacherzählt / Paul Frenk
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sieben Jahre in Untersuchungshaft, ohne daß er bis heute eine Anklageschrift oder die Aussicht hat, vor eine Entscheidung irgendwelcher rechtlicher Art gestellt zu werden. Der Mann, ziemlich lang aufgeschossen, hält sich wegen der schlechten Ernährung nur mit Mühe auf den Beinen. Er leidet an Ver- folgungswahn, und nachts hören die Gefangenen ihn oft hyste- risch schreien. Seine in der Schweiz verbliebene Familie weiß nicht, wo er lebt und wie er untergebracht ist. Berger und Klein

sind sich klar darüber, daß dieser Mann die deutschen Haft-

anstalten niemals mehr verlassen wird, da er heute schon ein menschliches Wrack ist.

Sigfried Amerant dagegen versucht durch Interpellation an den Arzt er ist auch wirklich leidend Schonung zu erlangen. Sie wird ihm glatt abgeschlagen. Und nun knüpft er seine ganze Hoffnung an eine mögliche Entlassung Bergers, der in diesen Tagen die Vorladung zum Sondergericht erhielt und der sich mit der Hoffnung trägt, daß er nach der Verhandlung die Freiheit wiedersehen wird.

Amerant gibt ihm auf, für ihn das amerikanische Konsulat auf- zusuchen und den USA -Konsul von seiner Unterbringung und seiner Person zu unterrichten. Berger verspricht ihm, im Falle seiner Freiheit sich sofort für ihn einzusetzen, denn die USA steht zu diesem Zeitpunkt ja noch nicht mit Deutschland im Kriegs- zustand, und die Verhaftung Amerants verstößt gegen jedes

Völkerrecht.

Bergers Verhandlungstag wird jedoch zweimal verschoben und erst am 15. Mai 1941 gerade ein Jahr nach seiner Verhaftung wird er mit dem schon geschildertenZeisigwagen in Etappen zum Justizpalast(in Deutschland baut man Paläste als Sinnbild und Denkmäler fundamentalen Rechts!) gefahren. Eine begreif- liche Spannung läßt Rolf nächtelang nicht schlafen, soll doch dieser Tag seine Zukunft entscheiden, bringt auch ein Wiedersehen mit seinem einst geliebtesten Menschen, für den er heute jedoch nur noch grenzenlose Gleichgültigkeit aufbringt.

Leer ist der kleine Sitzungssaal, und kein neutraler Zeuge wird über den Verlauf dieser Verhandlung berichten. Ein Justizbeamter stellt sich hinter die Anklagebank, und Berger schaut hinaus durch die lichten, weiten Fenster in die Grünanlagen und auf den lange nicht mehr gesehenen Betrieb dieses Münchener Viertels. Die Sonne taucht alles in wärmende und goldene Strahlen, und Berger möchte sich aus dem Fenster hinausschwingen, um sich einmal, nur

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