Druckschrift 
Im Machtbereich der Gestapo : Erlebnis-Roman ; der Wirklichkeit nacherzählt / Paul Frenk
Entstehung
Seite
47
Einzelbild herunterladen

t

1

durftkübel, zum Essentragen oder zu Hausarbeit schwerer Art heran. Nebenher hat er noch sein Tagespensum in seiner offiziellen Zellenarbeit zu erledigen. Mit Wonne sehen die hier amtierenden Tierbändigernaturen zu, wie er sich mehr oder minder geschickt beim Putzen, Schrubben, der Zellenreinigung oder der Kübelent­leerung benimmt. Seine Achtung vor dem einmal bestehenden System wird naturgemäß in einen furchtbaren Haß gewandelt. Er erweist diesen rohen Naturen den Gefallen nicht, zeigt nicht seine Qual, beißt die Zähne zusammen in dem Bewußtsein, daß auch dieses nur ein Uebergang ist wenn nicht vielleicht der letzte. Würde er Schwächen zeigen, diese Tiere würden neue Demütigun­gen erfinden, um sich an seinen Leiden zu weiden.

-

Alle acht Wochen gibt es ein Brausebad von zwei Minuten Dauer für die Gefangenen, alle 14 Tage wird der wild wuchernde Bart maschinell geschoren und alle vier Wochen gibt es reine Bettwäsche. Damit scheint der Gesundheitspflege und Hygiene Genüge getan zu sein.

99

Während der zehn- bis elfstündigen Arbeitszeit gibt es dreimal täglich eine Kost, bestehend aus insgesamt drei Schnitten trockenen Kommisbrotes und zwei Dünnsuppen. Letztere sind in der Haupt­sache aus Wasser und nochmals Wasser, Steckrüben und Kartoffeln zusammengestellt. Selten gibt es ein Stückchen abgekochtes, aus­gelaugtes Fleisch dazu, denn die erste Bouillon kommt den Kranken zugute oder der Kantine, während der, Gesunde" nie mit dem Rohstoff Fett in Berührung kommt. Es entspricht ja auch dem Staatsprinzip, alle Staatsfeinde zu vernichten. Klüger als auf diese langwierige Weise, wodurch man die Arbeitskraft bis zur Neige im Frondienst ausnutzt bei einer Kost, die kaum zum Schweine­fraß zu verwerten wäre, kann man dieses Prinzip nicht gestalten. Die fünf oder sechs Pfennige Verdienst bekommt der Häftling doch nur in den wenigsten Fällen ausbezahlt weil er selten die Freiheit wiedersieht.

Wer sein Pensum nicht erreicht, wer nicht sorgfältig arbeitet, der hat einen Prozeß wegen Arbeitssabotage zu erwarten. Berger, dessen Nervensystem durch die Krankheit schwer gelitten hat, was nun durch den Aufenthalt und die Behandlung keineswegs gebessert wird, hat in letzter Zeit sehr viele Anranzer einstecken müssen, wobei er, an allen Gliedern aus Wut zitternd, versucht ist, sich auf seine Peiniger zu stürzen. Er wäre jedoch kaltlächelnd wegen Widerstandes erschossen worden, wie es dem Kameraden Koch am 30. April 1941 erging, den Rolf in dieser Anstalt kennen­

47