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Im Machtbereich der Gestapo : Erlebnis-Roman ; der Wirklichkeit nacherzählt / Paul Frenk
Entstehung
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Häftling so denkt er sich wohl'sieht man offensichtlich seinen Abstand vom Verbrechertum an. Und nachdem er sich in kurzen% Zügen denVorgang von Rolf hatte erklären lassen, da legen sich seine martialischen Züge im Lächeln zu ziehharmonikagleichen Falten und weisheitsvoll klingt es dann von seinen Lippen durch den kühlen, kahlen Raum:

Ja, ja, die langhaarigen Weiber...!

Der Häftling Berger muß alle Wertsachen, alle Papiere, kurz den ganzen Inhalt der Taschen abgeben, er behält lediglich ein 'Taschentuch. Ja sogar die Kravatte ist nicht einmal gestattet zur eigenen Sicherheit denn man könnte sich daran ja mal auf- hängen.

Durch mehrere dickbohlige, eisenbeschlagene Eichentüren geht es dann in die Zelle. Es ist hier so kühl, daß Rolf in seiner leichten Sommerkleidung friert. Das kleine, doppelvergitterte Fenster läßt nur wenig Licht herein und die gekälkte Wand läßt denSalon noch ungemütlicher erscheinen. Zwei festverschraubte Holzpritschen stehen an den Wänden. Auf einer sitzt derKollege, dessen Verbrechen darin besteht, daß er durch einen Sturz mit seinem Motorrad den Verkehr gefährdete, wobei der den Fall aufnehmende Beamte einen leichten Alkoholgeruch bei dem Genannten verspürte.

Zwei Baumwolldecken und eine steinharte Matratze bilden das Nachtlager. Die hygienischen Zustände sind asiatisch schön. Ein in der Ecke stehender Zinkkübel dient der Notdurft und der an- dere Leidensgenosse in der Zelle hat Jeweils das zweifelhafte Ver- gnügen, vom Anblick der körperlichen Entleerung des Partners entzückt zu werden. Und dann hängt der Duft dieses Vorgangs stundenlang in diesem dunklen, muffigen Raum, da das kleine. Lichtloch kaum einen Abzug derFrühlingsdüfte zuläßt,

Und in dieses Milieu wird durch dieFutterluke das Abend- essen hereingereicht. Nie im Leben hat Rolf eine solche Kost, wie diese, vorgesetzt bekommen. Er riecht daran, schüttelt sich und legt sich auf das harte Lager. Aber nach zwei Fasttagen sind Ekel, Geschmack und ästhetisches Empfinden vom Hunger und der Not dieser Umgebung besiegt. Das Essen ist so wasserreich und nah- rungsarm, daß die Häftlinge wegen der Nierenfunktion keine Nacht durchschlafen können, sondern den besagten Kübel in der Ecke in Anspruch nehmen müssen. Nach 14 Tagen hat man ein regelrechtesSodbrennen ‚in, den Knien. Schwäche aus Unter- ernährung. Wenn Rolf nicht in der Folgezeit von Verwandten

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