Berger war noch zu jung, um die Möglichkeit dieser Form an- zuerkennen. Für ihn gab es keine Kompromisse, wie es sie auch bei ihm in beruflicher Hinsicht nicht gab. Er erklärt Ursula, daß es nur ein Zusammenstehen oder eine Trennung gäbe. Und weil Ursula ihn nicht verlieren, ihn behalten, ja liebbehalten will, so. bleibt der Umgang im gleichen Rahmen wie früher.
Und so nahm Rolf an, daß alles beim Alten bliebe— daß sie ihre Verbindungen in Bayern lockern würde, zumal er bestrebt blieb, seine Versetzung durchzudrücken. Er selbst mied jede fest- liche Veranstaltung, soweit es sich beruflich machen ließ. Er war anderen Mädchen und Frauen gegenüber, die ihn von früher kannten und gern hatten, kalt und frostig. Seine Welt— sein Streben— seine Hoffnung war und blieb Ursula!
Und Ursula knüpfte derweil im Kurörtchen am Starnberger See die alten Verbindungen wieder an, ließ sich vor allem mit dem feurigen, draufgängerischen„Dickel“ ein und schenkte ihm nun das. was einst dem ersten, wahrhaft geliebten Menschen gehörte.
Auch Rolf hatte in dem gleichen Ort, durch kurze Bekannt- schaften begründet, Verehrer unter der weiblichen Frauenwelt. Durch sie erfuhr er von dem Treiben seiner Braut, erfuhr er die Adressen alter, zuverlässiger Augenzeugen.
Er holte sich im Elternhaus seiner Braut den dort liegenden Teil seiner Briefschaften zurück, entdeckte darin unversehens den Brief eines weiteren Freundes seiner Braut und erkannte daraus eine weitere absolut erwiesene Untreue zu einem Zeitpunkt, bevor er den ersten Urlaub mit ihr am See verlebte.
Nun war der Schlußstrich für Rolf gezogen. Tiefinnerlich ver- letzt, empört über eine derartige Handlungsweise, setzte er sich auf re Bahn und reiste— ohne die Genehmigung seiner Vorge- setzten erwirkt zu haben— über München an den Starnberger See , logierte sich in einem Restaurant ein und versuchte durch Alkohol seinen inneren Aufruhr zu betäuben.
Getrieben durch seine leidenschaftliche Natur— getrieben von seinem verletzten Gefühl, stieg er die Hügel hinan zu ihrem Heim und fand bei ihr ihre Mutter, die sich— in Furcht vor heftigen Auseinandersetzungen, vermittelnd ins Zeug legte. Aber Rolf wies sie mit knappen Worten zurück und erklärte ihr, daß er ihrer Tochter nur wenig und Sachliches zu sagen habe.
Und dann saß er ihr gegenüber. Beide bezwangen ihre innere Unruhe und Not, und Rolf sagte mit knappen Worten das, was er
wußte, warf ihr auch die letzten Erfahrungen in sachlichster Form,
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