Fontänen hoch. Verwundete ertrinken, Pferde versinken und Geschütze müssen schweigen; wer sich hinlegt, ertrinkt und wer nicht ertrinkt, ist dem rasenden Feuer des Gegners ausgesetzt. An einen Durchstoß ist nicht mehr zu denken— das Meer hat die Pläne des deutschen General- stabes verhindert. Sieruhenausvon Kampf und Leid.
Heute ruhen sie aus von Kampf und Leid auf den stillen, heiligen
Ackern. Vorbei geht's an manchen kleineren Friedhöfen bei Ostende,
Westende, Blankenberghe, bis die Wagen vor dem Eingang des Marine-
friedhofes Leffinghe halten. 2800 Tote liegen hier in dem rasengrünen, pappelumstandenen Friedhof. Weiter rollen die Wagen über holpriges Kopfsteinpflaster der flandernschen Straßen zum Waldfriedhof Praet- bosch, einem der schönsten deutschen Friedhöfe im Westen. Unter seinem grünen Blätterhain: schlafen 3000 deutsche Gefallene. Von besonderer Eindringlichkeit ist die Anlage von Hochleede, dessen Acker $450 eichene Marterlkreuze trägt. Ein älteres Geschwisterpaar ist mit uns hergekommen, und nun stehen die alten Damen vor dem Kreuz
ihres Bruders. Halten stumm mit dem Toten unter dem Rasen Zwie-
sprache, um dann tränenden Auges mit bloßen Händen eine deutsche Blume auf diesem Grab einzusetzen. Ypern. ;
Spät abends ist es, als die Reisewagen auf, dem Markt von Ypern halten. Über die Liehtflut der Schaufenster und.Reklamen heben sich die Schatten hoher Giebelhäuser und die Türme der Kathedrale ab, wie 1914 und eınem halben Jahrtausend vorher.— Es ist 19 Uhr und das Glockenspiel der Tuchhallen wird durch die dumpfen Schläge des Gotteshauses abgelöst. Von der Meenenstraße her klingen Trompeten- signale herüber. Es ist die„Letzte.Post“, eine Ehrung, die jeden Abend unter dem wuchtigen Bogen des englischen Triumphtores, in dessen Quadern die Namen von 63000 britischen Gefallenen und Vermißten eingemeißelt sind, zu Ehren der toten Helden abgehalten wird.
Das Meenentor ist ein Denkmal von einmaliger Eindringlichkeit und sein wunderbarer Sinn lautet: So wie dieses Tor mitten im Verkehr dieser Zeit steht, so stehen wir— die: Toten— im Geiste in eurem Leben!— Zwei Engländer, welche hier ihrem Zivilberuf nachgehen, blasen hier Abend für Abend ihre Signale. So, wie sie hier im Werk- schurz stehen, Tag für Tag— der eine im weißen Haar und der- andere in der Blütezeit seiner Jugend— so wachen sie— wacht die Nation mit ihren Toten und doch geistig Lebenden über die Belange und das Leben des Volkes. Nicht militaristisches Schaugepräge, nicht soldatische Spielerei soll Ausdruck ihres Gedenkens sein, sondern überall im werkenden Alltag sollen ihre Toten Mahnung und Verpflichtung sein... IR
Wir sind Zeuge dieser beeindruckenden, kurzen Andacht und grüßen die gefallenen Helden der Gegenseite stumm und ernst. Leise ver- klingen die Töne in der feucht-kalten Nacht, und wir lenken still unsere
24
AfA ee


