arbeitsmäßig ausgepowert werden, um nach dem Verbrauch ihrer Kräfte anderen Platz machen.
Wer einige Jahre hier verbracht hat, wird sicherlich eines Tages, durch Unterernährung geschwächt und anfällig gemacht, an Lungenentzündung, Typhus oder irgendeiner anderen Folgekrankheit den Weg ins Jenseits antreten...!
ERSTES KAPITEL
Wir verfolgen einen jungen Gefangenen, der den Weg in eine Einzelzelle nimmt. Die schwere, eisenbeschlagene Tür fällt ins Schloß. Die Luft in der Zelle ist zum Glück heute ein wenig verschlagen und der junge Mensch preßt seine zitternde Gestalt an den kleinen, runden Heizungskörper. Er hängt die durchnäßte Joppe an der einen Seite an den warmen Behälter und drückt seinen Rücken an die andere Seite, zuckt zusammen, als draußen die Aufseher einige Häftlinge anbrüllen, daß es schaurig in den weiten Hallen und Gängen widerhallt.
Rolf Berger ist am Ende seiner Nervenkraft. Über ein halbes Jahr lebt er bereits hinter Gittern, aber die Behandlung, die erbärmlicher als die eines wilden Tieres ist, der gemeine, gehässige Ton der Wärter, die Einschränkungen und Willkürmaẞnahmen, haben ihn, den freiheitsliebenden Idealisten, an den Rand der Verzweiflung gebracht.
An seinem Schicksal ermißt er jedoch das Los und den Leidensweg von Millionen deutscher und nichtdeutscher Menschen- aber Menschen, nach Gottes Ebenbild geschaffen---!
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Ein Schlüssel rasselt in der Tür, die Klappe fällt auf und eine Stimme, die einem Tierbändiger Ehre machen würde, schreit herein: ,, Wollen Sie nicht arbeiten? Warten Sie, ich werde Ihnen Arbeit aufhalsen, daß Sie auch ohne Heizung warm werden sollen!" Müde und still wendet Berger seinen Blick zur Tür, die nun aufgeht und der Gestalt des Beamten Platz gibt.
,, Warum nehmen Sie nicht Haltung an, wenn ich zu Ihnen komme?" schreit er. Berger reißt sich zusammen und steht steil vor dem Wärter. Er fühlt, wie es heiß in ihm aufsteigt, doch er beißt auf die Zähne, denn er weiß, eine Auflehnung würde ihm nur zum Schaden gereichen.
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