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Im Machtbereich der Gestapo : Erlebnis-Roman ; der Wirklichkeit nacherzählt / Paul Frenk
Entstehung
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noch Hocker stehen und nur ein Holzrost die Liegestatt bildet, wozu noch die ärmliche Kost dem Bestraften für einige Tage ent­zogen wird.

Wie hypnotisiert schauen die Wärter auf die Lippen der auf den Laufstegen pilgernden Gefangenen. Ein Geflüster ist nach den Erfahrungen der Aufseher auf die Entfernungen nur an den Lippenbewegungen erkennbar. Auch heute befinden sich einige ,, Neue" in dieser Gemeinschaft und glauben, die Gelegenheit des Ausgangs zu einer kurzen Verständigung miteinander benutzen zu können. Zwei Wärter lösen sich von ihren Plätzen und stürzen auf die Unglücklichen zu. Während einer der Inhaftierten mit einem ausgerenkten Arm aufschreiend zu Boden stürzt und dazu einige Fußtritte erntet, schlägt der andere Wärter seinem Opfer die Fäuste und dann den Gummiknüppel ins hagere Gesicht. Aber bald ist das Schmerzensgebrüll der Gezüchtigten im Keller der Anstalt verklungen und die anderen wissen, die Kameraden dürfen einige Tage ihren Hunger mit klarem Wasser stillen. Als wenn nichts geschehen, pilgern die anderen grauen Gestalten weiter hintereinander über die schlüpferigen, teilweise kiesbe­deckten und pfützendurchsetzten Steige, bis die halbe Stunde verronnen ist.

Die Kolonne tritt nun an der Pforte des Anstaltsblockes an. Und wenn man in die Antlitze der Gefangenen sieht, so schaut man in graue und bleiche, ausgemergelte Gesichter, in denen ein dunkler Bart wuchert.

Und doch, wenn man Vergleiche zieht zu Gefangenen der früheren Jahre, so sucht man hier fast vergebens nach den be­rühmten Galgengesichtern wirklicher Verbrecher. Es ist ja auch so, daß seit dem Kriegsausbruch im Jahre 1939 die Einlieferungs­ziffern der Anstalts- ,, Bewohner" sprunghaft in die Höhe gingen. Die Anstalt, die für eine Belegschaft von ca. 700 Mann eingerichtet ist, beherbergt nun die Rekordzahl von etwa 1400 Häftlingen. Nie war eine Verhaftungswelle im ersten Polizeistaat der Welt so umfangreich, und doch steigt diese Welle in immer größerem Maße. Den meisten der Eingelieferten werden politische ,, Ver­gehen" oder Verbrechen" zur Last gelegt. Und den Kenner der Zeitverhältnisse verwundert es absolut nicht, daß bei einer solchen unmenschlichen und diktatorischen Gesetzgebung bei den ,, stillen" - in der Oeffentlichkeit unverständlichen oder unbekannten- Maßnahmen selbst der spießbürgerlichste, harmloseste oder feigste ,, Volksgenosse" hinter Gitter gesteckt werden kann, wenn er

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