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Drei Kinder kommen durch die Welt / Walter Pollatschek
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schüssen, manchmal dumpf und rollend, manchmal kurz und hell. Zuweilen meinte man, es sei weit weg, zuweilen, die Kanonen stünden ganz in der Nähe, und das Geschoß würde jetzt hierher fliegen.

Am Abend kehrten sie wieder nach Cala Ratjada zurück. Die Truppen waren dort nicht gelandet. Aber sie hatten jetzt Tag und Nacht Körbe und Rucksäcke bereitstehen, um gleich fliehen zu kön­nen, wenn es nötig wäre.

Und Tag für Tag hörten sie den Kanonendonner und das Flugzeugbrummen und das dumpfe Dröh­nen der Fliegerbomben und das furchtbare Tacken der Maschinengewehre. Sie sahen auch, wie von Kriegsschiffen aus geschossen wurde. Ein rie­siger Feuerstrahl fuhr aus ihnen hervor. Dann dauerte es einen Augenblick. Und dann brüllte der Kanonendonner auf. Er schwoll immer stärker an und brach plötzlich ab.

Die Kinder waren so erregt, daß sie überhaupt nichts mehr spielen und nichts mehr tun mochten. Sie mußten immer daran denken, daß dort ganz in der Nähe jetzt Menschen auf andere Menschen schossen. Und sie mußten daran denken, daß viel­leicht im nächsten Augenblick eine Kanone nach Cala Ratjada schießen und sie töten könnte. Oder, daß ein Flugzeug eine Bombe auf sie abwerfen könnte.

Über dem Berge, hinter dem gekämpft wurde, stiegen mächtige graue Rauchwolken auf. Nachts

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