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Das Wort der Verfolgten : Anthologie eines Jahrhunderts / herausgegeben von Bruno Kaiser
Entstehung
Seite
312
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sie wissen immer: jetzt, während dort der winzige lebensbebende grüne Vogel schwirrend die Flügel hebt, sterben im Schlamm, auf heißen gratigen Felsen und stolpernd am abschüssigen Flußübergange

tausende Männer, tausende, meines Volkes,

schreiend, einensinnlos überflüssigen, unheilsamen verworfenen Tod.

Die wissen immer in den Weiten der Welt

um dich, um jeden deiner Sterbenden aber

um jene auch, die schon, am sinnlosen Sterben schuld, von ihnen auch verurteilt sind....,. die leiden

deine Leiden, Vaterland; von den verschuldeten

alle unverschuldeten trennen sie ab, sie leiden

auch alle die ungewußten,

und wissend sehnen, Deutschland , mein Vaterland, sie deine urweltschwere Erneuerung.

© Deutschland , daß deine besten Kinder, weil sie dich vorm Untergange wahren wollen, die Niederlage

mit allem wiederkehrenden Grauen,

‚mit allem Grauen die Niederlage,

die baldige, die gewisse, wünschen müssen:

Litten denn jemals, Deutschland , mein Vaterland, Liebende, liebend Tätige, schlimmer?

O daß doch, Deutschland , deine Niederlage sich in den größeren, in den gewaltig brausenden inneren Sieg verkehre!

O daß doch, Deutschland , verwundetes Vaterland, o daß doch endlich deine besten Liebenden dich,

in schwerem Werke dich rechtfertigend, endlich

aus dieser Kriege Wucherung fänden: gereinigt, mein Vaterland, von deinem eigenen Fluche befreit, entgiftet, wieder deutsch geworden, und

mit deinem besten Herzen, mit der wirkenden Welt

geeinigt!