VORWORT ZUR ERSTEN AUFLAGE
Als eine Zeitschrift der deutschen Emigration in Paris im Jahre 1834 einige, hernach berühmt gewordene, Seiten Heinrich Heines zum ersten Male in deutscher Sprache veröffentlichte, wurden sie von der Redaktion mit folgendem Kommentar begleitet: ,, Diese kräftigen Worte eines der ersten Schriftsteller Deutschlands mußten erst in einem französischen Gewande erscheinen, ehe sie die Söhne Deutschlands im Urtext lesen durften. Wir nehmen Akt hiervon, da dies unsere Zeit charakterisiert und sprechend den entwürdigenden Zustand Deutschlands bezeichnet, dessen erste Schriftsteller nur unter dem Gesetze eines fremden Volkes Schutz finden."
Etwas über hundert Jahre später schrieb Stefan Zweig über Thomas Manns ,, Lotte in Weimar ": ,, Es wird in kommenden Zeiten ein literarhistorisches Kuriosum absurdester Art bilden, daß dieses deutscheste Buch, das beste und vollendetste, das seit Jahren und Jahren in unserer Sprache geschaffen wurde, bei seinem Erscheinen den achtzig Millionen Deutschen verboten und unerreichbar blieb. Fast könnten wir eine schlimme Freude empfinden, daß nur uns das( sonst so bitter erkaufte) Privileg zuteil wird, es in deutscher Sprache lesen zu dürfen...“
Solche Parallelen ließen sich beliebig vermehren, und dies Buch gibt genug Möglichkeiten zu ähnlichen Vergleichen. Man könnte eine Gegenüberstellung der Flüchtlingsnot von einst und von heute hinzufügen. ,, Viele dieser Unglücklichen, glücklich, Arbeit zu finden, müssen eine Arbeit verrichten, vor der der Mensch zurückschaudert, und der Lohn reicht kaum hin, um Brot und Wasser zu kaufen", heißt es in einem erschütternden Bericht vom Juni 1850 über die deutschen demokratischen Flüchtlinge in London .
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