Mensch auf der Grenze
,, Zeigen Sie mir Ihre Papiere!" sagte der Mann. Menschen auf der Straße gingen an uns vorüber. Er und ich, wir standen in diesem Strom. ,, Sie haben keine Papiere?" fragte mich der Mann. Ich griff in meine Taschen, trotzdem ich wußte, daß ich keine Papiere hatte. Und der Polizist trug eine Uniform, irgendeine Uniform mit goldglänzenden Knöpfen.
Er nahm mich mit. Ihm sah man an, daß er ein Polizist war, mir aber nicht, daß ich ein Emigrant war. Mensch ohne Papiere! In den Augen der Menschen konnte ich ein Dieb, ein Vagabund oder auch ein Mörder sein. Der Polizist brachte mich auf die Polizeiwache. Ich sah noch die mißtrauischen Augen der Vorübergehenden vor mir. ,, Ziehen Sie sich aus!" befahl mir der Polizist. Ich stand dann nackt vor ihm. Meine Haut war mir zu weit geworden, und sie sah wie ein verschlissener Anzug aus, der einem zu weit geworden ist. Man sah mir nicht an, daß ich in einem Haus mit dem Blick auf einen Wald gelebt hatte. Meine Haut schlampte weit und faltig über die Knochen. Die Wanderung durch die Länder! ,, Ihr Name?" Wann geboren?"... Wo?"... ,, Wie lange sind Sie von der Heimat weg?"... Ich antwortete. Die Tage ohne Heimat waren wie Steine auf meinem Herz. ,, Und wie wollen Sie das beweisen?" fragte der Polizist. Ich stand vor ihm, nackt, ohne Kleider, ohne Papiere. Ein Mensch ohne Papiere! Und der Mensch in der Uniform... Bis jetzt war mir ein Mensch ein Mensch gewesen. Seine Kleider... Nun sah ich einen Menschen in einer Uniform. ,, Aber ich bin doch..." begann ich zu stottern, und wollte sagen, ,, ich bin doch da." Aber er unterbrach mich, hieß mich anziehen, lächelnd, und er hatte ein Menschengesicht, das man vielleicht des Abends im Freien einer Gasse, hinter
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