OSKAR MARIA GRAF 1936
Zuruf
Lieber Freund, es kommen Stunden,
wo du glaubst, du bist umsonst gewesen. Alle Schmerzen, alle Wunden
brennen— wollen nicht genesen.
Ach, die Bitterkeiten strömen hemmungslos, als sei’n sie nie versiegt! Und man möchte sich das Leben nehmen, das zerbrochen auf der Erde liegt.
Fragen stehen auf und bleiben. Antwortlos schwebst du im Nichts. Und du scheinst dich zu zerreiben an der Schwere dieses Selbstgerichts.
Denk, o Freund: Den vielen ungezählten Kameraden geht es ebenso! Dieses große, gleiche Fühlen
macht in aller Schwermut froh.
Atme, Freund! Laß dich erfüllen
ganz von der Gefährten Zuversicht! Einmal sind wir Einen doch die Vielen, und die stumpfe Welt zerbricht!


