RUDOLF LAVANT 1890
Zum Abschied
H:> (Für die letzte Nummer des exilierten ‚‚Sozialdemokrat‘“)
Ihr habt über ihn das Exil verhängt,
Ihr habt an den Fuß ihn der Gletscher versprengt Und in Englands stickige Nebel;
Doch hat er sich allzeit der Feinde erwehrt— Wo immer er stand auf der Warte,
Es blieb ihm das scharfe, das blitzende Schwert Und die flatternde rote Standarte.
Ihr habt ohne Rast, ohne Ruh bis zuletzt
Mit der kläffenden, geifernden Meute
Den stolzen Verfemten gejagt und gehetzt— Wann ward er dem Kleinmut zur Beute?
Ihr habt ihm die Pässe verbaut und verstellt, Gelauert auf Wegen und Stegen, Und schwirrende Pfeile vom Bogen geschnellt— Wann ist der Verfolgte erlegen?
Er hat die Gebote der Wahrheit, des Rechts
Mit hallender Stimme verkündigt
Im Namen des armen, des wehrlosen Knechts, An dem ihr euch dreifach versündigt;
Und ließt ihr auch wirbeln bei Tag und bei Nacht Die Trommeln in machtlosem Grimme—
Wann habt ihr sie jemals zum Schweigen gebracht, Die eherne, drohende Stimme?
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