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Das Wort der Verfolgten : Anthologie eines Jahrhunderts / herausgegeben von Bruno Kaiser
Entstehung
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Er streute den Samen trotz Bann und trotz Acht, Der tief in die Seelen gesunken;

Er hat sie zu wehender Flamme entfacht, Die scheinbar ersterbenden Funken;

Er hat eure prahlenden Dämme zerwühlt, Daß sie barsten im Anprall der Fluten; Wann hat er die Arme erlahmen gefühlt, Wann erloschen im Herzen die Gluten?

Er hegte und pflegte den zartesten Keim, Es durfte das Hoffen nicht kranken; Er bot den Kühnen und Freien daheim Die Freistatt für trotz'ge Gedanken; Er hat die mahnenden Zeichen der Zeit Den Schwanken, den Bangen gedeutet, Er hat die Fanfare geblasen zum Streit Und die Glocken zum Sturme geläutet.

Und nun er gebrochen, der lastende Bann, Und der heilige Volkszorn gewettert,

Und der gestern noch hochmutgepanzerte Mann Vom Sessel der Ehren geschmettert,

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Nun zum offenen Kampf, der so lange verwehrt, Sie das Recht jetzt errungen sich wieder, Nun legen getrost wir Standarte und Schwert

In die Hände der Siegreichen nieder.

Ihr habt unsern Händen sie anvertraut

In finsteren, stürmischen Tagen,

Den alten Kampfruf in trotzigem Laut

Weithin in die Lande zu tragen.

Und was, als ihr so uns zu Kämpfern erhobt,

In des Fahnentuchs purpurne Falten

Wir einst euch mit Händedruck schweigend gelobt,-

Wir glauben, wir haben's gehalten!

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