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Das Wort der Verfolgten : Anthologie eines Jahrhunderts / herausgegeben von Bruno Kaiser
Entstehung
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HEINRICH HEINE

1848-1855

An Julius Campe

Passy, 7. Juni 1848

Ich bin ein armer sterbender Mann, arm in jeder Be­ziehung, und hab kaum die Bedürfnisse und Kosten meiner Krankheit zu bestreiten... Welch ein schauderhaftes, verfluchtes. Schicksal verfolgt doch die deutschen Dichter! Möge sich auch dieses in Deutschland ändern.

An Georg Weerth

Paris , 5. November 1851

Hier ist alles ruhig, nur daß der Polizeipräfekt jüngst, ein zweiter Herodes, gegen unsere unschuldigen Lands­leute einen ungeheuren Kindermord beabsichtigte und die armen Kleinen sehr ängstigte. Sie mußten sich alle auf die Polizei verfügen, um ihre hiesige Existenz zu beweisen, was manchem sehr schwer wird, der weder Existenz noch Existenzmittel besitzt. Jener Herodes meinte, daß sich ein politischer Heiland unter uns befände, und die Denun­ziation rührt leider von einer Person her, der es nicht an Bildung fehlt und die sogar ein Literat ist.- Das sind ver­teufelt schauderhafte und widerwärtige Dinge. Wenn ich denke, daß solche Personen sich jahrelang mir nahen konnten, so wird mir grauenhaft zumute. Welch schreck­liche Sache ist das Exil!

Enfant perdu

Verlorner Posten in dem Freiheitskriege, Hielt ich seit dreißig Jahren treulich aus. Ich kämpfe ohne Hoffnung, daß ich siege, Ich wußte, nie komm ich gesund nach Haus.

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