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Das Wort der Verfolgten : Anthologie eines Jahrhunderts / herausgegeben von Bruno Kaiser
Entstehung
Seite
132
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Ich wachte Tag und Nacht Ich konnt nicht schlafen Wie in dem Lagerzelt der Freunde Schar

(Auch hielt das laute Schnarchen dieser Braven

Mich wach, wenn ich ein bißchen schlummrig war).

In jenen Nächten hat Langweil ergriffen

Mich oft, auch Furcht(nur Narren fürchten nichts) Sie zu verscheuchen, hab ich dann gepfiffen

Die frechen Reime eines Spottgedichts.

Ja, wachsam stand ich, das Gewehr im Arme, Und nahte irgendein verdächtger Gauch,

So schoß ich gut und jagt ihm eine warme, Brühwarme Kugel in den schnöden Bauch.

Mitunter freilich mocht es sich ereignen,

Daß solch ein schlechter Gauch gleichfalls sehr gut Zu schießen wußte ach, ich kanns nicht leugnen Die Wunden klaffen es verströmt mein Blut.

Ein Posten ist vakant! Die Wunden klaffen Der eine fällt, die andern rücken nach

Doch fall ich unbesiegt, und meine Waffen Sind nicht gebrochen- Nur mein Herze brach.

An den Fürsten Hermann von Pückler- Muskau

Paris , 15. April 1854

Ich habe eben einen deutschen Reisenden gesprochen, der mir Dinge erzählte, die keineswegs imstande wären, meine Nerven zu calmieren. Ich versichere Sie, das ehrliche Deutschland ist der fruchtbarste Boden für alle Bübereien, und dieser Gedanke verstimmt mich sehr. Diese Halb- zivilisation ist schlimmer als russische Barbarei und fran- zösisches Raffinement der Unsittlichkeit. So viele herrliche Menschen leben dort, und doch passieren dort so viele schändliche Dinge!